Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
Freie Vereinigung der Meisteröffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.

 

Fachtagung der FREIEN VEREINIGUNG DER MEISTER ÖFFENTLICHER VERKEHRSBETRIEBE e.V. durchgeführt bei den Rostocker Verkehrsbetrieben durch  Vossloh-Kiepe,  am 02. bis 03.06.2015

 

Die Vossloh-Kiepe GmbH hat die Straßenbahnmeister der „Freien Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V. (FVM)  zur Fachtagung am 02. und 03. Juni 2015 nach Rostock zu den Verkehrsbetrieben eingeladen.

Die Entscheidung von Vossloh Kiepe, diese Fachtagung nicht am Hauptsitz in Düsseldorf durchzuführen, sondern beim Kunden, der RSAG Rostock, hing eng zusammen mit dem Hauptthema dieser Fachtagung. Vossloh Kiepe präsentierte das Fahrzeugkonzept „Tramlink“, ein 100% niederfluriges Multigelenkfahrzeug, welches im Vossloh Werk Valencia entwickelt und gebaut wurde und die Antriebs-, Bordnetz und Steuerungstechnik wurde von Vossloh Kiepe geliefert, im Werk Valencia montiert und in Betrieb genommen. Die RSAG hat von dieser Fahrzeugfamilie im Jahr 2011 insgesamt 13 Fahrzeuge bestellt, welche seit 2013 im Fahrgasteinsatz sind.

 

Herr Michael Schroeder, Technischer Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG, Herr Michael Zwank, Abteilungsleiter für Modernisierungen und Service bei der Vossloh Kiepe GmbH  und Werner Strauch Vorsitzender der FVM begrüßten die Teilnehmer sehr herzlich.

Anschließend stellte Frank Seidel, Vertrieb bei Vossloh Kiepe für die nächsten zwei Tage das Tagungsprogramm vor.

 

Der erste Vortrag wurde von Herrn Thomas Berzbach, Leiter Serienprüfung bei Vossloh Kiepe gehalten. Thema dieses Vortrages war die schnelle Hilfe bei der Instandsetzung von Elektronikbaugruppen bis hin zu komplexen Antriebssystemen unter Anwendung der automatischen Testsysteme von Vossloh Kiepe.

Dabei setzte Herr Berzbach auf folgende Themenschwerpunkte, welche ihm bei seiner langjährigen Arbeit im Prüffeld begleiten. Das Brainstorming sollte einige Aspekte seiner Zusammenarbeit mit den Kunden zum Thema Prüftechnik in den Mittelpunkt stellen. Zweiter Schwerpunkt war die Vorstellung des aktuellen Standes der Prüftechnik und zum Schluss gab es einen Streifzug durch die Anwendung der Vossloh Kiepe Testsysteme beim Kunden.

 

Der Vortrag von Herrn Antonio Alamar beinhaltete die Vorstellung des Fertigungsstandortes Valencia und der Fahrzeugkonzepte von Vossloh Espanã. Seit dem Jahr 2005 gehört das Unternehmen zur Vossloh Gruppe. Die große Montagehalle mit mehreren Montagelinien ermöglicht die gleichzeitige Fertigung von Lokomotiven sowie von Schienenfahrzeugen für den öffentlichen Personenverkehr. Weiterhin verfügt das Werk über eine große Fertigungshalle für Drehgestelle, die für eine jährliche Produktionskapazität von 600 Drehgestellen ausgelegt ist. Außerdem verfügt das Werk über eine Inbetriebnahmehalle mit zugehörigem 2.500m Testgleis, wobei Fahrzeuge mit Meterspur, Normalspur und Breitspur in Betrieb genommen werden können.

 

Innerhalb der DACH-Staaten liegen bereits die ersten Referenzen vor. So konnten im letzten Jahr alle 13 Tramlink-Fahrzeuge nach Rostock geliefert werden, im nächsten Jahr erhält die Stadt Gmunden in Österreich 11 Fahrzeuge vom gleichen Fahrzeugtyp.

Citylink-Fahrzeuge befinden sich derzeit in der Auslieferung nach Karlsruhe. Hier gibt es einen Auftrag über 25 Fahrzeuge mit einer Option über weitere 50 Fahrzeuge, wobei die erste Option über weitere 25 Fahrzeuge bereits beauftragt ist. Nach Chemnitz werden 8 Fahrzeuge von dieser Fahrzeugfamilie geliefert als Zweisystemfahrzeug (Diesel/elektrisch). Die bestehende Option über weitere 4 Fahrzeuge wurde kürzlich von der VMS eingelöst.

 

Über Strategien zur Fahrzeugmodernisierung schilderte Herr Michael Zwank, Abteilungs-leiter für diesen Bereich im letzten Vortrag an diesem Veranstaltungstag die aktuellen Projekte von Vossloh Kiepe.

Hierzu schilderte er, welche Punkte bei der Planung zu berücksichtigen sind, wie Technische Anforderungen, Fahrgastanforderungen, aktuelle gesetzlichen Grundlagen, Zusammenarbeit mit der technischen Aufsichtsbehörden, eigene Ressourcen einbinden und Budgetplanung und Genehmigung.

All diese Modernisierungskonzepte unterschiedlichster Art müssen nach den anerkannten Regeln und in Abstimmung mit der TAB zugelassen werden. Vossloh Kiepe hat den Vorteil, dass viele Komponenten aus einer Hand kommen und somit ein hoher Leistungsanteil durch das eigene Haus erbracht werden kann. Viele Verkehrsbetriebe haben diese Modernisierungslösungen genutzt, wie z. B. U-Bahn Berlin, Stadtbahn Köln, U-Bahn Philadelphia, Stadtbahn Bonn, Metro Lausanne, Straßenbahn Bremen  und München, Stadtbahn Saarbrücken, Pöstlingbergbahn Linz, U-Bahn Hamburg, und DB Doppelstockwagen und Elektro-Lokomotiven.

 

 

Der zweite Tag der Fachtagung stand ganz im Zeichen der detaillierten Vorstellung des Fahrzeugkonzeptes Tramlink. Zu diesem Thema referierte Herr Ingo Wieden, Projektleiter für das Tramlink-Projekt Rostock bei Vossloh Kiepe und berichtete auch darüber, welche Erfahrungen gesammelt wurden bei der Erstzulassung der Fahrzeuge in Deutschland.

Im April 2011 erhielt das Konsortium „Tramlink Rostock 6N2“, bestehend aus Vossloh Kiepe als Konsortialführer, verantwortlich für den elektrischen Teil und Vossloh Espanã, verantwortlich für den mechanischen Teil, den Auftrag über die Lieferung von 13 niederflurigen Multigelenkfahrzeugen.

Im Sommer 2012 begann dann der Rohbau der ersten Fahrzeuge und im November 2013 konnte das erste Fahrzeug an die RSAG Rostock angeliefert werden. Im Juni 2014 konnte Kiepe gemeinsam mit der RSAG den nächsten erfolgreichen Meilenstein in diesem Projekt setzen, wir erhielten durch die TAB die Zulassung der Fahrzeuge und Ende Juli 2014 startete die RSAG mit dem Fahrgastbetrieb.

Das 100% niederflurige Einrichtungsfahrzeug hat eine Gesamtlänge von 32m, eine Breite von 2650mm und ist im Einstiegsbereich auf 2300mm eingezogen. Das Fahrzeug ist für 60 km/h im Streckennetz zugelassen, maximal sind jedoch 70 km/h möglich. Das Fahrzeug verfügt über 5 Wagenteile mit 3 Fahrwerken (2 Triebfahrwerke, 1 Lauffahrwerk). Das Triebfahrwerk verfügt über 2 wassergekühlte Fahrmotore, welche über einen Antriebsumrichter gespeist werden. Die Motorleistung liegt bei 100 kW, somit liegt die Gesamtmotorleistung des Fahrzeuges bei 400 kW. Zusätzlich verfügt das Fahrzeug über Supercaps zur Reduzierung der Stromspitzen im Netz beim Beschleunigungsvorgang.

Das Fahrzeug verfügt über 71 Sitzplätze und 139 Stehplätze (bei 4 Personen/m²) und zeichnet sich durch 4 großräumige Multifunktionsbereiche im Bereich der Einstiegstüren aus. Der Fahrgastkomfort wurde durch den Einsatz einer Fahrgastraum-Temperieranlage gesteigert und natürlich sind die Fahrerarbeitsplätze mit einer Fahrerstandsklimaanlage ausgestattet.  

 

 

Im Anschluss berichtete Thomas Fittkau, Teamleiter bei der Rostocker Straßenbahn AG, über die Ausgangssituation für das Projekt „Straßenbahnbeschaffung 2013“ bis hin zur Auslieferung der ersten Fahrzeuge. Zudem konnten erste Erfahrungen aus dem Fahrgasteinsatz der Fahrzeuge dem Fachpublikum übermittelt werden.

Im Rahmen der Streckenerweiterungen wurden in den letzten Jahren ca. 170 Mill. € zur Vorbereitung des Einsatzes von Straßenbahnen mit einer Fahrzeugbreite von 2650mm in die Betriebsanlagen (Strecke und Tunnel unterm Hauptbahnhof) investiert. Rund 80% der Einwohner der Stadt Rostock wohnen direkt im Einzugsbereich der Straßenbahn nach der Streckenerweiterung.  Deshalb sollte bei der folgenden Fahrzeugbeschaffung die Fahrzeugbreite von 2650mm umgesetzt werden.

In den Jahren 2008 und 2009 begann die RSAG mit der Marktsondierung. Hierzu besuchte man die Hersteller von Fahrzeugen, aber auch die Verkehrsbetriebe um über Erfahrungen zum Einsatz unterschiedlicher Fahrzeugtypen zu sprechen. Im Mai 2009 fiel dann die Grundsatzentscheidung für die Beschaffung eines 100% Niederflurfahrzeuges mit einer Fahrzeugbreite von 2650 mm und einer maximalen Gesamtlänge von 33m. Nach der Auftragsbekanntmachung im EU-Amtsblatt im März 2010 erfolgte ein Monat später der Aufruf zum Teilnahmewettbewerb. Nach der Auswertung der Teilnahmeanträge wurden dann 4 Wettbewerber für das Verhandlungsverfahren zugelassen.

Im November 2010 schlägt die Bewertungskommission dem Projektausschuss vor, Vossloh Kiepe den Zuschlag für die Lieferung von 13 Stück Niederflur-Gelenktriebwagen mit Energiespeicher zu erteilen. Auswahlkriterien für die Entscheidungsfindung waren der Preis, die Einhaltung der Vorgaben der technischen Leistungsbeschreibung und Design. Gerade bei den technischen Leistungsparametern überzeugte das Antriebskonzept mit stehendem Motor für maximale Sitzplatzanzahl über den Triebfahrwerken, welche ohne Podeste oder seitliche Rampen zu erreichen sind. Weiterhin konnte die Anzahl der Fahrgastraumtüren  sowie die Anzahl der Multifunktionsbereiche gegenüber der Lastenheftanforderung erhöht werden. Im April 2011 war dann der Vertragsabschluss mit der RSAG Rostock. Im Mai 2011 startete die Projektierung und genau ein Jahr später war dann Baubeginn der neuen Fahrzeugserie und die Lieferung des ersten Fahrzeuges erfolgte im November 2013. Zu Beginn des Jahres 2015 waren dann alle bestellten 13 Fahrzeuge im Linieneinsatz der RSAG Rostock.

 

Nach den beiden Fachvorträgen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Betriebswerkstatt der RSAG zu besichtigen. Dabei kam eine rege Diskussion zwischen den Teilnehmern auf, denn die Ausgangssituationen bei den einzelnen Fahrzeugwerkstätten in den Verkehrsbetrieben sind doch recht unterschiedlich und somit kam es zum fachlichen Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Teilnehmern.

 

Im Rahmen der Besichtigung der Betriebswerkstatt war dann auch ausreichend Zeit für die Teilnehmer das neue Fahrzeug zu begutachten. Dabei wurde dem Fachpublikum die Möglichkeit eingeräumt, das Fahrzeug von unten aus der Grube zu inspizieren, aber auch vom Dacharbeitsstand, um die Geräteaufteilung, die Verkabelung der Geräte untereinander sowie die Ausführung der Gelenkverkabelung in Augenschein zu nehmen. Anschließend wurden die Container geöffnet, um sich auch über den Aufbau der Antriebsausrüstung sowie den HKL-Ausrüstungen zu informieren. Fragen des Fachpublikums konnten hier durch die Fachleute der RSAG Rostock und von Vossloh Kiepe beantwortet werden und auch hier

berichtete das Fachpublikum von eigenen Erfahrungen mit den jeweils vorhandenen Fahrzeugflotten.

 

Selbstverständlich wurde auch der Fahrgastraum unter die Lupe genommen und besonderes Interesse galt der  Gestaltung des Fahrerarbeitsplatzes, denn gerade bei diesem Thema sind oft viele Abteilungen bei den Verkehrsbetrieben, natürlich in erster Linie die Fahrerinnen und Fahrer, involviert.

 

Eine Probefahrt mit dem Fahrzeug „Tramlink“ auf dem Liniennetz der RSAG Rostock bildete dann den Abschluss dieser 2-tägigen Fachveranstaltung in der Hansestadt Rostock.

 

Fotos W. Strauch

 

 

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