Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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V2-Pacynski                                                                                                     Rheinberg, den  14.10.2015

 

Fachtagung mit der Firma IFAB in Köln am 22.09.2015

 

Teilnehmer:  18 Kollegen

 

   Nach Eintreffen der Teilnehmer begrüßten Herr Strauch und Herr Klinger die Tagungsteilnehmer und eröffneten die Fachtagung. Im Anschluss an eine kleine Vorstellungsrunde stellte Herr Klinger das Gesamtunternehmen IFAB vor.

 

Institut für angewandte Brandschutzforschung

 

   Das Institut für angewandte Brandschutzforschung (IFAB) ist ein weltweit anerkanntes und agierendes Institut für Brandschutzberatung und Brandschutzforschung mit Hauptsitz in Berlin. IFAB berät, plant und simuliert für Betreiber, Hersteller, Bauherren, Ingenieurbüros und Behörden. Nachweise werden auf theoretischer Basis oder mittels Brandversuchen geführt. Das Portfolio reicht von Brandschutzkonzepten, Risikoanalysen, Machbarkeitsstudien und Planungen über die Unterstützung bei Ausschreibungen, der Abstimmung mit Behörden bis hin zur Umsetzung von Brandschutzlösungen, Brandversuchen und Schulungen. Der wissenschaftliche Hintergrund und die Brandversuchspraxis ermöglichen technisch und ökonomisch optimierte Lösungen. Dabei stehen stets die spezifischen Bedürfnisse des Kunden im Fokus der Arbeit.

   IFAB hat seit 1994 an mehr als 1800 Brandversuchen in den verschiedensten Anwendungsbereichen mitgewirkt. Die Anwendungsbereiche sind dabei sehr vielfältig wobei die Versuche von kleinen Labortestest bis hin zu Großbrandversuchen mit LKWs in Tunneln reichen.  Das IFAB verfügt über verschiedene Versuchsanlagen und betreibt eines der umfassendsten und modernsten mobilen Messwerterfassungssysteme. Die Erfahrungen reichen dabei vom Labormaßstab bis hin zu Bränden mit über 200 MW. Es werden laufend neue Versuchsreihen durchgeführt und analysiert, oftmals auch gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen und Hochschulen.

 

 Die IFAB erstellt unabhängige Gutachten und Prüfungen von Brandschutzkonzepten, Abweichungen, Planungen und Bauausführungen und untersucht Brandursachen. Die Erstellung von Zuverlässigkeitsuntersuchungen nach internationalen Normen und im Rahmen von Produktentwicklungen und Zulassungen sowie die Durchführung von Seminaren und Schulungen zum Thema Brandschutz runden das Leistungsspectrum der IFAB ab.

 

Allgemeiner baulicher Brandschutz

 

   In seinem Vortag gab Herr Klinger einen Überblick über Brandschutz im Allgemeinen. Die Risiken bei Bränden können sich auf Leben und/oder auf Sachen auswirken wobei die Risiken von Land zu Land höchst unterschiedlich sind. Ganz allgemein betrachtet ist Verbrennung eine Oxidation (exothermer Prozess), bei der aufgrund der Oxidationsgeschwindigkeit so viel Wärme frei wird, dass Lichterscheinung (Feuer) sichtbar wird. Ein Brand ist ein Feuer, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder Ihn unkontrolliert verlassen hat, um sich aus eigener Kraft unkontrolliert auszubreiten. Für ein Feuer muss das Verbrennungsdreieck aus Energie, Oxidationsmittel und Brennstoff im richtigen Verhältnis vorhanden sein. Typischerweise wird zwischen fünf Brandklassen unterschieden in brennbare feste, flüssige und gasförmige Stoffe sowie brennbare Metalle und Speiseöle und Fette.

   Im System des Brandschutzes unterscheidet man zum einen den vorbeugenden Brandschutz, zu dem bauliche, anlagentechnische und organisatorische Maßnahmen zählen sowie den abwehrenden Brandschutz zudem ebenfalls organisatorische Maßnahmen und natürlich die Feuerwehr gehören. Ziel des Brandschutzes ist es die Brandentstehung bzw. die Ausbreitung von Feuer und Rauch zu unterbinden, Löscharbeiten zu initiieren und Leben zu retten. 

 

Brandrisikoanalyse und Brandschutzkonzept in uPVA   

 

   Die Risiken für Brände in unterirdischen Personenverkehrsanlagen (uPVA) entstehen hauptsächlich durch  Vandalismus oder durch technische Defekte in Fahrzeugen oder Haltestellen. Die größten Gefahren für Personen sind in einem solchen Brandfall die toxischen Gase bzw. der Rauch, sekundär die Wärme, in Abhängigkeit von der Räumungszeit und von der Größe des möglichen Brandes (Brandentwicklung).

   Die Basis eines Brandschutzkonzeptes wird durch Regelwerke, Spezifikationen oder Vorgaben des Herstellers bzw. des Betreibers und ggf. einer Risikobetrachtung gebildet. Bei der Risikoanalyse werden die Eintritts- bzw. Auftretungswahrscheinlichkeit und die Schwere bzw. die Bedeutung eines Gefahrenfalls sowie die Entdeckungswahrscheinlichkeit bestimmt und qualitativ und/oder quantitativ bewertet. Daraus wiederum können sich vorbeugende Maßnahmen, Maßnahmen zur Verhinderung der Brandausbreitung oder zum Funktionserhalt bzw. zur Brandbekämpfung ergeben. Zu den Inhalten eines Brandschutzkonzeptes gehören aber auch ein Evakuierungs- und Rettungskonzept, Materialzertifikate, Wartungs- und Betriebsanleitungen, der Nachweis über konstruktive Vorgaben, Schulungsinformationen zum Brandschutz aber auch Freigabe- und Funktionsprotokolle uvm. Ein Regelwerk zum Brandschutz in unterirdischen Betriebsanlagen ist die neue technische Regel zur BOStrab (TR Strab Brandschutz).      

     

Ganzheitlicher Brandschutz für Fahrweg und Fahrzeug im ÖPNV

 

   In seinem Vortrag stellte Herr Möhle das Smart-Concept der Fa. FOGTEC vor. Bei der Betrachtung der Brandrisiken in unterirdischen Betriebsanlagen wurde selten ein ganzheitlicher Ansatz bei der brandschutztechnischen Systemgestaltung verfolgt. Fahrzeuge und U-Bahnstationen wurden fast immer getrennt betrachtet. Brandszenarien (z.B. vom Fahrzeug) wurden als Input für die Planung und die Gestaltung der Stationen herangezogen und meist nicht weiter in Frage gestellt.

   Das Smart-Concept bietet den Ansatz die Sicherheit, die Verfügbarkeit und die Flexibilität in der architektonischen Gestaltung zu erhöhen bei gleichzeitiger Reduzierung der Risiken und der Gesamtkosten. Bei diesem Ansatz wird nicht betrachtet die Folgen des Brandes unter Kontrolle zu halten sondern den Brandherd direkt zu bekämpfen bzw. die Folgen am Brandentstehungsherd zu reduzieren durch die Integration innovativer Brandmelde- und Brandbekämpfungstechnik in den Fahrzeugen selbst und/oder der Infrastruktur. Hierzu können unterschiedliche Technologien zur Branderkennung gehören aber auch zur Brandbekämpfung bzw. die Kombination dieser Systeme. Durch die verringerte Wärmefreisetzungsrate sind in den Stationen meist nur noch Restmaßnahmen erforderlich, was die Investitionskosten in die Infrastruktur deutlich senkt. 

   Zum Abschluss der Referate berichtete Herr Klinger über verschiedene Beispiele zur Nachweisführung, Prüfung bzw. der Einsatzeignung aktiver Brandschutzanlagen anhand von Rauch- bzw. Brandversuchen. Eindrucksvoll stellte er auch den Zusammenhang zwischen automatischer Brandbekämpfung und der Schadenhöhe bei Bränden in Schienenfahrzeugen dar.

 

Besichtigung einer U-Bahnstation

 

   Im Verlauf einer ausgiebigen Besichtigung der U-Bahnhaltestelle „Breslauer Platz“ erläuterte Herr Klaus Berg von der KVB den Tagungsteilnehmern die dort vorgenommene Brandschutzplanung und die umgesetzten Brandschutzmaßnahmen in der Praxis.

   Im Anschluss an eine rege Abschlussdiskussion verabschiedeten Herr Klinger und Herr Strauch die Tagungsteilnehmer und wünschten Ihnen einen guten Heimweg.  

 

 

Uwe Pacynski, Rheinberg

 

Fotos:   Werner Strauch / IFAB

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