Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
Freie Vereinigung der Meisteröffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.

Fachtagung bei der Fa. Dr.Schnell Chemie GmbH in München

Klaus-Peter Benner, Essen

 

 

Fachtagung bei der Fa. Dr.Schnell Chemie GmbH in München

 

 

Am 05.05.2015 trafen sich 18 Meisterkollegen der Freien Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V. in München um bei der Fa. DR.SCHNELL Chemie GmbH eine Einführung in die Grundlagen der Reinigungschemie zu erhalten. Eine Menge Informationen erwartete die, trotz Bahnstreik, angereisten Meisterkollegen.

 

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch das Vorstandsmitglied der FVM Manfred Fischer und Frau Caty Pechmann von der Fa. DR. SCHNELL Chemie GmbH gab Frau Pechmann zunächst eine Übersicht über die Historie, sowie über das heutige Unternehmen. Seit 1642 existiert der Betrieb in München, damals unter dem Namen Münchner Seifenfabrik. Als modernes, mittelständisches, inhabergeführtes und europaweit tätiges Familienunternehmen produziert  DR.SCHNELL ausschließlich in Deutschland. Neben vielen Meilensteinen ist auch hier der erste salzsäurefreie Sanitärreiniger entwickelt worden. Zurzeit arbeiten bei DR.SCHNELL ca. 280 Mitarbeiter, davon ca. 100-120 im Außendienst, in den Bereichen Entwicklung, Herstellung und Vertrieb.

Die Produkte bedienen die Schwerpunkte Reinigung, Hygiene, Desinfektion und Hautpflege. Seit 1972 begann eine intensive Innovationsphase mit der Entwicklung u. a. von umweltverträglichen Industrie Öl- und Fettlösern (mit DB-Zulassung). 1999 wurde ALEGRIA gegründet, ein eigenes Institut für Erwachsenenbildung. Hier bilden hauptamtliche Ausbildungskräfte Fachberater und Anwender aus. Dies geschieht in Form von Seminaren, Workshops und Trainings-on-the-jobs. Umweltschutz, Materialverträglichkeit und die Gesundheit des Anwenders stehen im Vordergrund des Bereiches Forschung und Entwicklung.

Eine weitere Dienstleistung ist der Service. Die Bereitstellung und Wartung von Dosiergeräten ist ebenso Thema wie die individuelle Erstellung von Reinigungs- und Hygieneplänen.

 

Herr Josef Feuerstein referierte im Anschluss unter dem Titel

CLP. Und nun

über die Bedeutung von CLP&GHS für die Praxis.

 

Ursprung von CLP (Regulation on Classification, Labelling and Packing of Substances and Mixtures)

  • CLP ist die Umsetzung des GHS, (Globally Harmonised System) in europäisches Recht.

  • GHS ist ein global gültiges, von der UN ins Leben gerufenes Kennzeichnungssystem

  • CLP und GHS sind weitgehend identisch, zusätzlich enthält CLP aber noch Ergänzungen, welche den europäischen Staaten wichtig erschienen.

CLP ist seit dem 01.12.2010 in Kraft. Seit diesem Zeitpunkt sind im ersten Schritt Stoffe verpflichtend nach CLP zu kennzeichnen, für Gemische war die Kennzeichnung nach CLP zunächst zwar schon möglich, aber nicht verpflichtend.

Die Definition eines Stoffes wird durch REACH(Registration, Evaluation and Restriction of Chemicals) vorgegeben.

Diese Definition ist sehr komplex.

 

Aber vereinfacht ausgedrückt: Stoffe sind Substanzen und im Gegensatz zu Gemischen nicht weiter zu trennen.

Beispiel für ein Gemisch: Salz im Sand. Die Stoffe Salz und Sand können z.B. durch Auflösen des Salzes in Wasser getrennt werden.

Ab dem 01.06.2015 ist die Anwendung der CLP-Kennzeichnung auch auf Gemische verpflichtend vorgeschrieben. Für Lagerware gilt eine zweijährige Abverkaufsfrist.

 

Die bekannten Symbole der Kennzeichnung nach Gefahrstoffrecht werden durch die GHS-Symbole ersetzt.

R- und S-Sätze (R: Risiko/S: Sicherheit) werden durch H- und P-Sätze (H: Hazard/P: Precaution). ersetzt. Die alten orangen Gefahrensymbole werden durch neue Symbole ersetzt, wobei die Aussage des enthaltenen Bildes nicht immer gleich ist. Trotz prinzipiell gleicher Symbole treten Gefahren in manchen Fällen erst beim Lesen der zugehörigen Texte klar hervor

 

Beispiel: Das Symbol für Entzündlich zeigt erst im Text die Differenzierung: Leichtentzündlich oder Hochentzündlich. Einige Symbole entfallen. Das Symbol „reizend“ gibt es nicht mehr. Es wird durch das Ausrufezeichen, das allgemein mit dem Signalwort „Achtung“ versehen ist, ersetzt. Gesundheitsschädlich wird durch das Ausrufezeichen oder den Totenkopf ersetzt.

 

Durch die REACH-Zulassung ändert sich bei vielen Rohstoffen die Kennzeichnung, was zu Verschärfungen führt, ohne das sich am Stoff etwas verändert. Auch die Einstufung der Grenzwerte ändert sich. So werden künftig Produkte zu kennzeichnen sein, ohne dass sich ihre Zusammensetzung geändert hat.

Waren bislang die Gefahren aus den Symbolen zu ersehen, muss künftig der zugehörige Text gelesen werden.

Zwei oder auch mehr Gefahrsymbole werden unter CLP keine Seltenheit sein. Vergleichbare Produkte können deshalb unterschiedliche P-Sätze aufweisen.

 

Was ändert sich in der Praxis?

 

Hier ändert sich nichts. Bei gekennzeichneten Produkten müssen die Arbeitsschutz-maßnahmen wie schon bisher üblich, gemäß S-Sätzen, künftig P-Sätzen, umgesetzt werden, also: Arbeitsschutzkleidung, Handschuhe, Schutzbrillen usw. Aber es wird mehr gekennzeichnete Produkte geben.

Unterschiedliche Gesetze haben unterschiedliche Auswirkungen.

Ein Duschgel unterliegt der Kosmetikverordnung und wird deshalb weder nach GefStoffV noch nach CLP gekennzeichnet.

Ein Reinigungsmittel, das die gleichen waschaktiven Substanzen in der gleichen Menge enthält bekommt aber das Ausrufezeichen oder sogar das „Ätzend“-Symbol.

Nach reger Diskussion über die gehörten Aussagen zu CLP und GHS und abschließenden Hinweisen, was in einem Sicherheitsdatenblatt wo zu stehen hat, endete der sehr informative Vortrag von Herrn Feuerstein.

Im folgenden Fachvortrag stellte Herr Wilhelm Reim die Themen Grundreinigung, Beschichtung, Bodenbestimmung, Auswahl der Grundreiniger/Beschichtungsmittel und Maschinenkunde in den Mittelpunkt. Nach der Erläuterung über Belag Varianten und deren Bestimmung wurden den Untergründen entsprechende Reiniger vorgestellt sowie unterschiedliche Maschinen und Geräte und deren Benutzung/Handhabung demonstriert.

Hier konnten die Tagungsteilnehmer einmal selbst Hand anlegen und auf den verschiedenen Untergründen die Reinigung und Beschichtung von Böden mit unterschiedlichen Geräten und Maschinen selbst testen, wovon auch reger Gebrauch gemacht wurde.

In einem weiteren Fachvortrag ging es um die Themen Grundlagen einer modernen Reinigung, Graffiti und Außenreinigung von Fahrzeugen. Hier wurde von Herrn Wilhelm Reim der praktische und von Herrn Enrico Sosinski der theoretische Teil übernommen.

Es wurde über die Arten der Verschmutzung diskutiert.

Welche Arten von Verschmutzungen finden wir vor:

            Mineralisch (Kalk, Rost, Urinstein….)

            Fett- und Ölhaltig (Essensreste, Motoröl, Körperfette,…..)

            Krankheitserreger (Bakterien, Pilze, Viren,…..)

            „Spezielles“ (Graffiti, Kaugummi, Stiftschmierereien, Teer,……)

 

Wie kommen Verschmutzungen auf Oberflächen vor:

            Lose aufliegend, haftend, migriert.

Der pH-Wert ist eine wichtige Einflussgröße bei der Reinigung:

            pH-Wert 1 - 5 =Sauer            >          Entfernt mineralische Verschmutzung

            pH-Wert 9-14 =alkalisch        >          Entfernt öl- und fetthaltige Verschmutzung

 

Welche Verschmutzungsart kann ich womit entfernen:

--Kalk, Zementschleier, Rost  wird mit sauren Produkten entfernt.

 

--Hautfette, Griffspuren, Nikotin, Industriefette/Öle  wird mit alkalischen Produkten entfernt.

 

--Kaugummi, Klebereste, Etikettenrückstände, Teer  wird mit lösemittelhaltigen Produkten entfernt.

 

Bei der Diskussion über Grafittientfernung wurde auf eine gezielte Reinigerauswahl, und Beachtung der Untergründe hingewiesen, sowie auf verschiedene Reinigungsverfahren und Hilfsmittel (Tücher, Bürsten Pats).

Auch hier konnten die interessierten Tagungsteilnehmer an verschiedenen Versuchsobjekten das Entfernen von Graffiti, Kaugummi und Farbstiftspuren mit den entsprechenden Reinigungs- und Hilfsmitteln selbst testen.

Nach einer sehr intensiven Abschlussdiskussion, bei der sich die Meisterkollegen bei den Referenten für das sehr interessante und informative Fachseminar bedankten, wurden die, mit Information überfluteten Tagungsteilnehmer, von den Vertretern der Fa. DR.SCHNELL und von Manfred Fischer von der FVM mit den besten Wünschen für den Heimweg verabschiedet.

 

 

Besucher

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.