Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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04. Fachtagung mit der Firma Solaris in Frankfurt / Oder und in Bolechowo bei Posen

Datum: Di. 26.08.2014. – Mi. 27.08.2014.

Teilnehmer: 18

Fachtagung für Strab.-und KFZ.-Meister.

 

Mit dem grünen Dackel unterwegs.

Solaris gilt als bedeutender europäischer Hersteller von Stadt- und Überlandbussen und Niederflur Straßenbahnen. Neben konventionellen Dieselantrieben setzt das Unternehmen mit Hybridtechnik und elektrisch angetriebenen Fahrzeugen auf den Umweltschutz. Seit Beginn der Produktion im Jahre 1996 verließen über 10.000 Fahrzeuge die Fabrik in Bolechowo bei Posen. 2300 Mitarbeiter sorgen dafür, dass jährlich 1300 Fahrzeuge das Werk verlassen. Solaris Fahrzeuge sind bei Kunden in 28 Ländern unterwegs.

Bevor Krzysztof Olszewski Mitte der 90er Jahre mit der Herstellung von Stadtlinien – Niederflurbussen in Polen begann, arbeitete er 14 Jahre lang für den deutschen Bushersteller Neoplan, wo er das Werk Berlin leitete. 1994 gründete Olszewski Neoplan Polska in Warschau als Generalimporteur für Neoplan Busse. Die Busfertigung in Bolechowo wurde 1996 aufgenommen. Nur 3 Jahre später entwickelte Olszewski gemeinsam mit einem Team polnischer Ingenieure und in Zusammenarbeit mit einem Berliner Designstudio einen von Grund auf neu konstruierten Niederflur – Stadtbus, der im Mai 1999 seine Premiere feiern konnte.

Im Jahre 2001 beendeten Krzysztof und Solange Olszewski die Zusammenarbeit mit der Marke Neoplan, nachdem diese von einem Wettbewerber übernommen wurde.

Mit Rücksicht auf die zum Teil sehr lange Anreise die einige der 18 Fachtagungsteilnehmer hatten, begann die Veranstaltung am ersten Tag um 14.00 Uhr. Begrüßt wurden die Teilnehmer seitens Solaris von Herrn Stefan Baguette und von der FVM durch Manfred Fischer. Besonders erwähnenswert war die sehr gute Tagungsvorbereitung durch Herrn Baguette.

 

Christian Goll, Geschäftsführer Solaris Deutschland, referierte im Anschluss darüber, wie Solaris in Deutschland aufgestellt ist.

An drei Standorten:

Solaris Deutschland GmbH in Berlin
Werkstatt Solaris Service in Berlin
Solaris Ersatzteil – Center in Weingarten

arbeiten 42 Mitarbeiter und betreuen mehr als 2200 vermarktete Solaris Busse. Dieses bedeutet ein Marktanteil von ca. 9% im Segment Stadtbusse. Der Jahresumsatz 2013 belief sich auf 70 Mio. Euro.

Von Juli 2013 bis September 2013 wurden an die Jenaer Nahverkehr GmbH fünf 100% Straßenbahn Niederflur Zweirichtungsfahrzeuge ausgeliefert. An der Ausstattung waren zu 70% Unterlieferanten aus Deutschland und Westeuropa beteiligt.

 

Mit Spannung wurde der Vortrag von Herrn Michal Sierszynski über Elektrobusse von den 18 Tagungsteilnehmern erwartet. Er gab Einblicke in den aktuellen Stand der Entwicklung von Elektrobussen für jedes Einsatzprofil.

Richtungen der Entwicklung:

Vorteile von elektrischen Antrieben:

Höherer Effizienzgrad.
Emissionsfrei am Einsatzort.
Geringere Geräuschemissionen.
Keine CO2 Emissionen für die Stromerzeugung mit Hilfe der „grünen Energie“.

Nachteile:

Höhere Fahrzeug Anschaffungskosten
Notwendigkeit von Infrastruktur (Gleise, Oberleitung, Ladestationen).

 

Die Energie im Kraftstoff.

Benzin besitzt eine theoretische Energiedichte von 13.000 Wh/kg. Diese hat eine Nutzungseffizienz von 13%. Die nutzbare Energiedichte liegt somit bei 1.700 Wh/kg.

Batterien haben eine theoretische Energiedichte von 200 Wh/kg. Die Nutzungseffizienz liegt hier bei 85%, was wiederum einer nutzbaren Energiedichte von 170 Wh/kg entspricht. Dieses heißt, ein 10x höheres Gewicht als Kraftstoff für die gleiche Energiedichte.

Neue Batterietechnologien (z.B. Lithium – Luft) können nutzbare Energiedichten von bis zu 1.700 Wh/kg haben und damit mit Kraftstoffen gleichziehen.

 

Herausforderung bei der Energieverbrauchsbestimmung:

Energieinhalt der Batterien ist begrenzt.
Genaue Kenntnisse über den zu erwartenden Energieverbrauch sind nötig.
Der Energieverbrauch variiert in Abhängigkeit vom Streckenprofil, der Zuladung und den Nebenverbrauchern.

Als Anhalts wert gilt, dass im Winter und Sommer etwa 50 % Energie für den Antrieb und 50 % für Nebenverbraucher eingesetzt werden. Im Frühjahr und Herbst teilt sich die Energie in 80% für den Antrieb und 20% für Nebenverbraucher auf.

 

Batteriekonzepte:

Laden von Traktionsbatterien im Depot:

Keine Ausgaben beim Aufbau von Infrastruktur in der Stadt.
Begrenzte Reichweite

Laden von Batterien an Endhaltestellen:

Niedrige Ausgaben beim Aufbau von Infrastruktur in der Stadt.
Wenige Ladegeräte für eine große Anzahl von Bussen

Zwischenladung an mehreren Haltestellen:

Reduzierte Tiefe der Batterie – Entladung
Es kann eine höhere Anzahlen von Zyklen während der Lebensdauer der Batterien erreicht werden.
Hohe Ausgaben beim Aufbau von Infrastruktur in der Stadt.

Batterietausch an Endhaltestellen:

Sehr hohe Ausgaben beim Aufbau von Infrastruktur in der Stadt und hohe Betriebs- und Bedienungskosten.
Hohe Investitionskosten bezüglich der Anschaffung von zusätzlichen Batterien.

Zusammenfassend sagte Herr Sierszynski, dass die Entwicklung von Bus – Antriebs – Technologien in Richtung der Elektrifizierung der Antriebssysteme geht. Der Einsatz von Elektrobussen im Stadtverkehr kann maßgeblich zur Reduzierung von CO2 Emissionen beitragen. Der Energieverbrauch von Elektrobussen ist von vielen Faktoren abhängig. Sehr großen Einfluss hierauf haben Heizung und Klimaanlagen. Die Auswahl der optimalen Lade Technologie von Batterien ist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. Betreiber von Elektrobussen verwenden derzeit eine Vielzahl von nicht miteinander vereinbarenden technischen Lösungen um die Reichweite dieser Fahrzeuge zu erhöhen.

Solaris stellt Batteriegrößen von 60 bis 240 kWh zur Verfügung. Als Antrieb dienen entweder ein Zentralmotor oder elektrische Antriebsachsen. Als Ladesysteme kommen in Betracht: Kabel Steckverbindungen, konduktive Schnellladung über Stromabnehmer, induktive Schnellladung, Brennstoffzellen zur Erweiterung der Reichweite.

Folgende Ladeleistungen können in Solaris Elektrobussen erreicht werden:

Kabel Steckverbindung     = 22 – 88 kW
Stromabnehmer                  = 200 – 400 kW
Induktives Laden                = 200 kW.

Batteriegrößen von 80 bis 240 kWh werden durch Verwendung mehrerer 40 kWh Packs erreicht. Die Packs sind parallel geschaltet, dadurch ist der Bus bei Ausfall einzelner Packs weiterhin einsatzfähig, wenn mindestens noch 80 kWh verfügbar sind. Die Abmessungen und Anschlüsse sind standarisiert, die Zellen werden von nordamerikanischen und japanischen Lieferanten bezogen.

 

Im Anschluss an diesen sehr informativen Vortrag, der auch auf fachlich hohem Niveau diskutiert wurde, erläuterte Herr Matthias Lamotte das Servicekonzept. Die Klassifizierung von Werkstätten wird in 3 Kategorien aufgeteilt:

Solaris Kompetenzcenter
Solaris Servicepartner
Kunden Regiewerkstatt.

Weiterhin gibt es die „Flying Doctors“. Das sind Kundendienstmonteure durch deren Einsatz eine schnelle Reaktionszeit gepaart mit hoher Fachkompetenz gewährleistet wird. Durch die Nähe zum Kunden lassen sich Maßnahmen schneller umsetzen bzw. optimieren. Da hier eine rege Kommunikation zu den Mitarbeitern der Werkstätten besteht, ist auch ein regelmäßiger Austausch von Informationen gegeben und erwünscht.

SEC Solaris Ersatzteil Center.

Es gib zwei Solaris Lager und sechs Solaris Konsignationslager. Vom Ersatzteilzentrallager in Weingarten werden alle deutschen und österreichischen Servicepartner und Werkstätten mit original Solaris Ersatzteilen versorgt. Zurzeit lagern dort 4900 Teile.

Im Februar 2013 wurde die Gewährleistungsabteilung bei Solaris Deutschland ins Leben gerufen. Seit diesem Zeitpunkt werden alle Servicepartner und Werkstätten, sowie auch Kunden die im Rahmen einer Regievereinbarung Gewährleistungsarbeiten ausführen, direkt von Solaris Deutschland betreut

 

Nach so viel geballter Information hieß es am nächsten morgen früh aufstehen, denn es ging mit einem Solaris Bus ins Werk nach Bolechowo. Nach einer kurzen Vorstellung des Werkes konnten die Meisterkollegen die Produktionshallen besichtigen. Der Stadtbus Solaris Urbino und der Überlandbus Solaris Urbino LE und Solaris Inter Urbino werden hier in den verschiedensten Längen und Ausstattungen gefertigt. Ebenso die Hybridbusse Solaris Urbino Hybrid, der Oberleitungsbus Solaris Trollino und der Elektrobus Solaris Urbino electric. Als Highlight konnten wir noch den nagelneuen Solaris Urbino bestaunen, der auf der IAA in diesem Jahr Premiere feiert. Die Kollegen der „eisenbereiften Zunft“ hatten die Möglichkeit, sich die Straßenbahnfertigung des Tramino in Poznan anzusehen.

Zum gemeinsamen Mittagessen in der Solaris Kantine trafen sich alle Meisterkollegen wieder. Einhellig war man der Meinung, dass es eine sehr informative Veranstaltung war. Im Anschluss bedankte sich Manfred Fischer bei den Organisatoren seitens Solaris und wünschte allen eine stau- und unfallfreie Heimfahrt.

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