Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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FVM Fachtagung mit Siemens Rail Services in Wegberg - Wildenrath

 

Am 24/25.06.2014 kamen, auf Einladung von Siemens Rail Services und der FVM, Meister aus ganz Deutschland aus dem Bereich der Straßenbahntechnik nach Wegberg – Wildenrath. Auf dem Gelände eines alten Militärflugplatzes hat hier die Firma Siemens Rail Services ein Testcenter errichtet das keine Wünsche offen lässt. Was im Einzelnen auf  im Testcenter und auf der Teststrecke geprüft werden kann, wurde uns in den zwei Tagen erläutert.

Der erste Tag umfasste:

  • Rundgang durchs Prüfcenters
  • Vorstellung Siemens Straßen- und Stadtbahnen: Portfolio und technische Besonderheiten
  • Technischer Exkurs 1: Rohbautechnologie und Korrosionsschutz bei der Fertigung von Straßen- und Stadtbahnen
  • Technischer Exkurs 2: Vorstellung Projekt Eco Tram

 

Am zweiten Tag ging es dann um:

  • Präsentation Servicethemen
  • Fahrt und Besichtigung mit dem „Avenio“

 

Tradition die verpflichtet

Die erste elektrische Lokomotive: 1879 entwickelt von Werner von Siemens. Seit über 130 Jahren ist Siemens dieser Tradition gefolgt und auf dem Gebiet der Schienenfahrzeuge und deren Technik und Infrastruktur führend vorangegangen. Dieser Tradition folgt man auch in Wegberg – Wildenrath. Neue Lösungen zur Verbesserung der Sicherheit von Bahnsystemen und Sicherstellung, dass nur geprüfte Qualität das Gelände verlässt, das sind die Zielvorgaben von Siemens.

 

Ganz Europa auf 28 km Gleis

Im Januar 1997 wurde das Testcenter eröffnet. Es umfasst eine Fläche von 35 ha wovon 32.700 m² bebaut sind. Zu erwähnen gilt auch, dass hier eine Anschlussbahn nach BOA der Landeseisenbahngesetze seit 1997 existiert. Auf dem Gelände gibt es 28 km Gleisstrecke die sich aus 2 Testringen und 3 Testgleisen zusammensetzen sowie aus dem Anschlussgleis zum  Schienennetz der DB AG.

  • Testring 1: Er ist 6082 m lang und mit einer Stromschiene sowie verschiedenen Zugsicherungssystemen (ATB-EG, ETCS Level 1 und 2 sowie PZB) ausgestattet. Tests bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h sind hier möglich.
  • Testring 2: Mit einem Kurvenradius von 300 m eignet sich der Testring 2 mit einer Länge von 2485 m für Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h – in Normal- und Meterspur, als auch auf Stromschienen.
  • Testgleis 3: Dieses gerade und ebene Gleis ist besonders für Bremswegmessungen geeignet. Auf 1400 m erreichen Normal- und Meterspurfahrzeuge Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h. Darüber hinaus erhält das Testgleis eine Stromschiene.
  • Testgleis 4: Es ist 553 m lang und hat und hat Radien von 50/25/15 m.
  • Testgleis 5: Das kürzeste Testgleis mit 410 m Länge ist die Gefällstrecke – in Normal- und Meterspur. Das Gleis weist eine Steigung von 40 ‰ beziehungsweise von 70 ‰ auf.

 

Maßgeschneiderte Prüfungen aus einer Hand

Den Meistern wurden anhand einer Präsentation und bei einem Rundgang durch das Prüfcenters die einzelnen Prüfungen die am Standort Wildenrath möglich sind erläutert. Als erstes möchte ich hier die elektrischen Tests erwähnen, die aus einem statischen und einem dynamischen Testablauf bestehen.

 

Die statischen bestehen aus Isolationsprüfung der EMV-Messung, Messungen an Bordnetzen, Prüfung der Sicherheits- und Infosysteme, Prüfung der Diagnosesysteme, Messung an Heiz- und Klimasystemen, Prüfung der Erdungs- und Schutzmaßnahmen, Hilfsbetriebe-Tests und Test der Daten-Bus-Systeme.

 

Die dynamischen bestehen aus Traktion und elektrischer Bremse, Beeinflussungsmessungen (Netzrückwirkung Gleisstromkreis, Funkstörmessung), Übergangs- und Systemwechselvorgänge, Systemversuche mit Fahrzeug/ Bahnstromversorgung bzw. Fahrzeugleit- und Sicherheitstechnik und Thermische Dauerversuche.

 

Als nächstes die mechanischen Tests.

Statisch: Geometrische Fahrzeugprüfung, Lauftechnische Standuntersuchungen (Freigängigkeit, Ausdrehmomente), ƒ Ausschwingversuche, Neigungskoeffizient und Wankpol, Druckluftbremse, Standversuche, Belade- und Ladezustandsversuche, Luft- und Körperschallmessung, Thermische Standmessung, Licht- und lufttechnische Messung, Dichtheitsprüfung und Beregnung.

 

Dynamisch: Bremsleistungsprüfungen z. B. nach UIC 544, Ermittlung der Eigenfrequenzen, schwingungstechnische Untersuchungen, Prüfung von Laufverhalten und -sicherheit, Mechanische Beanspruchungsmessungen, Dynamische Antriebsuntersuchungen und Innen- und Vorbeifahrtgeräuschpegel.

 

Weiter Prüfmöglichkeiten:

a.Der Messgleisbogen: Er ist 50m lang, hat einen Bogenradius von 150 m und zwei Messfelder mit quasi kontinuierlicher Messung. Geprüft wird das Laufverhalten und die Laufsicherheit sowie die mechanischen Beanspruchungen. Überprüfung der Sicherheit gegen Entgleisung nach DIN EN 14363:2005 ist ebenfalls möglich.

b.Der Dreh-Kipp-Tisch: Länge 6600 mm. Getestet können hier Normal- und Meterspurfahrzeuge durch Simulation von Bogen-, Kuppen- und Senkenfahrten im Stand. Möglich sind auch Lauftechnische Standarduntersuchungen (Freigängigkeit, Ausdrehmoment) und ƒ Ausschwingversuche.

c.Die Neigeeinrichtungen: Messung des Wankverhaltens von Fahrzeugen im Stand, Schrägstellung des Fahrzeuges, Messung der Auswirkung von Querbeschleunigungen, wie Fliehkräfte oder Seitenwinde.

d.Die Fahrzeugwaage: Auf ihr werden Belade- und Ladezustandsversuche durchgeführt.  Messung der Rad- und Achskräfte; z-Messung,  8 variable Wiegeelemente auf 52 m nivelliertem Normalspurgleis Tragfähigkeit je Radsatz: 30 t.

e.Der Akustikmessplatz: Geprüft wird der Innen- und Vorbeifahrtgeräuschpegel. Es ist ein Referenzgleis gemäß technischer Spezifikationen für Interoperabilität (TSI), Zertifizierung nach TSI Lärm und DIN EN ISO 3095:2005, Messung möglich bei Vorbeifahrtsgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h.

 

Warum kommt der Kunde nach Wegberg – Wildenrath ins PCW? Die Vorteile liegen z.B. darin, dass die Inbetriebnahmezeit beim Kunden drastisch reduziert wird. Man ist auf einem abgeschlossenen Gelände ungestört und kann so in Ruhe die Stück- und Typprüfungen durchführen. Die Unabhängigkeit von Betriebsplänen auf öffentlichen Strecken hat den Vorteil, dass Störungen im laufenden Betrieb bereits vorab verhindert werden können. Kurzfristige, uneingeschränkte Testmöglichkeiten gewährleisten kürzere Innovationszyklen, so dass die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Bahnsystemen von Anfang an gegeben sind.

 

Nicht nur Neufahrzeuge sind für Siemens ein Thema. In Wildenrath wurden uns drei weitere wichtige Standbeine vorgestellt.

Refurbishment zum Beispiel. Ältere Fahrzeuge werden hier auf den geforderten aktuellen modernen technischen Zustand gebracht. Nicht nur über die Technik macht man sich Gedanken. Auch auf das Design wird geachtet. Wenn ältere Fahrzeuge nach dem  Refurbishment das Werk verlassen, dann passen diese in ein modernes Stadtbild und sind ansprechend für den Kunden.

Rail Life Support, ein weiterer Geschäftszweig in Wildenrath. Siemens bietet an, die Systembetreuung über den gesamten Lebenszyklus zu übernehmen. Gezeigt wurde uns zu diesem Thema, wie Wartungen, als Bestandteil des Rail Life Support, an Lokomotiven durchgeführt werden.

Besichtigen konnten wir  ebenfalls die Unfallinstandsetzung. Die wenigsten Verkehrsunternehmen haben heute noch die Chance Fahrzeuge, die in schwere Unfälle verwickelt waren, instand zu setzen. Die technische Infrastruktur in Wildenrath bietet die Möglichkeit solche Fahrzeuge wieder instand zu setzen.

 

Neufahrzeug „Avenio“

Ein Höhepunkt der Fachtagung war die Besichtigung und Fahrt mit der neuen Tram „Avenio“ für Den Haag. Den Meistern wurde ein Fahrzeug im modernen Design vorgestellt, dass sich außerdem noch durch gute Laufeigenschaften auszeichnete.

 

Die gesamte Fachtagung zeichnete sich durch eine lebhafte Kommunikation aus, die für uns als Meister sehr informativ war. Für Siemens durchaus interessant, die Probleme, die im täglichen Betrieb mit Fahrzeugen und der Infrastruktur auftauchen erläutert zu bekommen.

 

Unser Dank gilt allen Referenten im Testcenter Wegberg – Wildenrath, die sich die Zeit genommen haben, mit und diese Fachtagung durch zu führen.

 

 

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