Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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06. Fachtagung mit der Firma Carglass® in Kamen

Datum: Mi. 01.10.2014

Teilnehmer: 21

Fachtagung für Strab.-und KFZ.-Meister.

 

 

Die Erwartungen waren groß und im Vorfeld zeichneten sich schon einige Fragen ab, als sich 21 Bus- und Straßenbahnmeister bei der Firma Carglass® in Unna trafen. Dankenswerterweise stellte die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna einen Bus zur Verfügung, an dem eine Frontscheiben Erneuerung durchgeführt wurde. So konnten die anwesenden Fachtagungsteilnehmer sich vor Ort anschauen, mit welcher fachlichen Kompetenz hier die Busscheibe erneuert wurde.

Begrüßt wurden die Tagungsteilnehmer von Herrn Schommer und Herrn Franken von der Fa. Carglass®. und Manfred Fischer von der FVM.

Im Anschluss an die Begrüßung stellte Herr Hans – Martin Schommer das Unternehmen vor. Carglass® kann Glasschäden in einem von 300 Service Centern in Deutschland beheben und bietet mit 400 Mobilfahrzeugen schnelle Hilfe vor Ort beim Kunden. Etwa 200 Scheiben sind in jedem Service Center sofort verfügbar. Insgesamt sind in Deutschland etwa 250.000 Scheiben auf Lager. Ein Customer Contact Center garantiert eine 24 Stunden Erreichbarkeit. Das Unternehmen arbeitet mit Scheiben in Erstausrüster – Qualität. Durch den neuen 3D – Scheibenscanner im europäischen Zentrallager in Hasselt kann Carglass® noch gezielter den hohen Qualitätsansprüchen ihrer Kunden gerecht werden.

Sobald ein neues Fahrzeug auf den Markt kommt, wird die Scheibe als Original – Ware beim Hersteller eingekauft und gescannt.

 

Carglass® Deutschland gehört zum internationalen Netzwerk Belron®. Die Belron® Group umfasst unter anderem Autoglass® in Großbritannien, den USA und Australien. Insgesamt ist das Mutterkonzern Belron® in 35 Ländern vertreten. Um die Reparaturkosten so niedrig wie möglich zu halten, arbeitet Carglass® nach der Strategie: Analyse, Beratung, Service. Dabei werden Scheiben nur dann ausgetauscht, wenn eine Reparatur aus technischen oder gesetzlichen Vorgaben nicht möglich ist. Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen Glasschaden immer und so schnell als möglich zu reparieren. Denn aus dem anfangs vermeintlich kleinen ästhetischen Problem, kann unter Umständen auch ein Sicherheitsrisiko werden. Dann nämlich, wenn sich um den Steinschlag Risse bilden. Die Reparatur ist in der Regel in 30 Minuten abgeschlossen und das Fahrzeug wieder fahrbereit. Carglass® setzt das eigens entwickelte und patentierte Reparaturverfahren GlassMedic® sowie das von der eigenen Forschungsabteilung ebenfalls entwickelte und patentierte Spezialharz HPX3® ein.

Fototitel: Definition Fahrersichtfeld. Wo darf repariert werden?

Anschließend referierte Herr Dipl. Ing. Georg Franken, der als Klebefachingenieur tätig ist, über das sichere Kleben in Bus und Bahn. Hierbei kommt dem Klebstoff, der Oberfläche und dem Personal eine besondere Bedeutung zu. Zum Einsatz kommen feuchtigkeitshärtenden PU – Klebstoffe. Die Eigenschaften hierbei:

  • Der Klebstoff härtet durch Aufnahme der Luftfeuchtigkeit aus.
  • Die Aushärtung verläuft von außen nach innen.
  • Der Start der Reaktion ist erkennbar durch eine Hautbildung.
  • Mit zunehmender Schichtdicke verläuft die Reaktion langsamer.
  • Reaktionsgeschwindigkeit ist abhängig von Luftfeuchtigkeit und Temperatur.

Boostersysteme:

  • Zum Beschleunigen der Aushärtung wird während der Applikation Feuchtigkeit dem Klebstoff zugemischt.
  • Damit ist die Reaktion unabhängig von der umgebenden Luftfeuchtigkeit.

Praxis der Durchhärtung:

  • Klebschichtdicken < 30 mm üblich.
  • Unter 5°C kaum noch Aushärtung.
  • Reaktion läuft weiter, wenn wieder Feuchtigkeit vorhanden ist.

Der Klebstoff muss auf der Oberfläche der Fügeteile haften und sollte diese vollständig benetzen. Die „Klebbarkeit“ der Oberfläche bestimmt die Adhäsion. Die Stabilität der Oberfläche bestimmt die Alterungsstabilität der Verklebung.

Das Personal, dass mit der Klebung beauftragt ist, muss speziell dafür ausgebildet sein. Bei Arbeiten an Bahnen sollte die Erlaubnis nach DIN 6701 vorliegen. Die zertifizierte Ausbildung gibt es in drei Stufen:

  • Stufe 1 Klebefachingenieur.
  • Stufe 2 Klebefachkraft.
  • Stufe 3 Klebepraktiker.

Nicht zertifizierte Ausbildungen, die aber unter bestimmten Bedingungen das ausführende Personal beim Verkleben von Scheiben für die Stufe 3 qualifizieren, sind z.B. ein Scheibenklebekurs oder die interne Schulung zur Wissensvermittlung.

Qualitätssicherung beim Kleben:

Kleben ist ein spezieller Prozess, dessen Ergebnis durch nachfolgende Qualitätsprüfungen zerstörungsfrei nicht vollständig bestätigt werden kann und bei dem sich z.B. Fertigungsmängel erst zeigen, nachdem das Erzeugnis im Einsatz ist. Die Qualität einer Klebeverbindung kann nur durch Zerstören verifiziert werden.

Qualitätsbestimmende Normen beim Kleben:

  • DVS Richtlinie 3310 –     Qualitätsmanagement in der Klebetechnik
  • DVS Merkblatt 1618 –    Elastisches Kleben im Schienenfahrzeugbau
  • DIN 6701 –                 Kleben von Schienenfahrzeugen und –fahrzeugteilen
  • DVS Richtlinie 3311 –     Klebeaufsicht, Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Zu den Qualitätssicherungsmaßnahmen im Klebeprozess gehören die Nachweise, dass der Klebstoff geeignet ist, die Zusagen des Herstellers und das Datenblatt bzw. die Versuchsprotokolle. Für den Klebeprozess müssen alle Schritte beschrieben, alle Arbeitsschritte in der korrekten Reihenfolge eingehalten und die Arbeit vereinheitlicht werden. Die Umgebung muss staubfrei, silikonfrei und den klimatischen Bedingungen angepasst sein.

Elementare Einflüsse auf die Qualität einer Klebung haben:

  • Saubere Oberflächen.
  • Strikt nach Klebeanleitung arbeiten.
  • Das vorgeschriebene Klebstoffsystem einsetzen.
  • Keine Arbeitsschritte auslassen.
  • Alle vorgeschriebenen Mindestzeiten, z.B. Ablüftzeiten, einhalten.

Nach so viel Theorie ging es in die komfortabel ausgestattete Werkstatt. Dort konnten die Fachtagungsteilnehmer den Austausch einer Bus Frontscheibe live und in Echtzeit miterleben. Die Verfugung der defekten Scheibe wurde mittels eines Vibrationsmessers herausgeschnitten. Anschließend wurde die Scheibe mithilfe eines Schneiddrahtes und dem Ezi – Wire Werkzeug herausgetrennt. Dieser Vorgang ging ohne große Kraftanstrengung vonstatten. Mit einem speziellen Hebewerkzeug wurde die Scheibe herausgehoben. Der alte PU – Werkstoff wurde gekürzt und die Kontaktflächen vorbehandelt. Nach Auftragen des Klebers wurde die Scheibe wieder mit dem Hebewerkzeug passgenau eingesetzt. Nachdem die Frontscheibe verfugt war, wurden im letzten Arbeitsgang die zuvor entfernten Anbauteile wieder montiert.

In der anschließenden Schlussdiskussion wurden seitens der Meisterkollegen die hohe Fertigungsqualität und das präzise Arbeiten anerkannt. Weitere Diskussionspunkte waren das Arbeiten mit dem Vibrationsmesser und die Dokumentation beim Erneuern einer Scheibe an der Bahn. Bei den Fragen zum Vibrationsmesser stand vor allem die Weißfingerkrankheit im Fokus. Diese Krankheit ist eine anfallsweise auftretende Durchblutungsstörung der Finger. Hier spielt der Zeitfaktor der Benutzung des Vibrationsmessers eine große Rolle.

Nachdem der offizielle Teil der Fachtagung beendet war, bat der Kollege Martin Strieder von den Stadtwerken Remscheid ums Wort. Martin informierte die anwesenden Kollegen, dass er demnächst in den wohlverdienten Ruhestand geht, bedankte sich für die hohe Qualität der durchgeführten Fachtagungen an denen er teilgenommen hat und bat darum, dass die Fachtagungen weiter auf diesem Niveau durchgeführt werden. Manfred Fischer wünschte dem Kollegen Martin Strieder alles Gute für seinen neuen Lebensabschnitt und sprach die Hoffnung aus, ihn auf einer der nächsten Hauptversammlungen gesund wieder zu treffen. Im Anschluss bedankte sich Manfred Fischer bei Herrn Schommer und Herrn Franken für die gelungene Fachtagung und wünschte allen Teilnehmern eine stau- und knitterfreie Heimreise.

 

Abbildungen: Carglass®

Fotos Redaktion intern, Manfred Fischer

 

 

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