Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
Freie Vereinigung der Meisteröffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.

Fachtagung bei Annax in Brunnthal-München.

 

Nachdem die Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe die Fa Annax im Januar 2008 in München-Taufkirchen besucht hatte, machten sich im Januar 2014 interessierte Mitglieder der FVM auf Einladung der Fa. ANNAX auf den Weg nach München um sich in den neuen Geschäfts- und Fertigungsräumen der Fa. ANNAX in Brunnthal über die Weiterentwicklung im Bereich der Fahrggastinformationssysteme zu informieren.

Nachdem die Tagungsteilnehmer durch die Herren Wolfgang Elbert, Jan Elbert und Werner Malcherek im neuen Firmensitz in München /Brunnthal begrüßt wurden, stellte Herr W.Elbert die neue Fertigungsstätte bei einem Werksrundgang vor.  Hierbei gewannen  die Meisterkollegen ein Bild der Fertigungstiefe bei der Herstellung der unterschiedlichsten Anzeigenmodelle. Der Werkstattrundgang offenbarte eine sehr gute Produktionsorganisation und betriebsinterne Infrastruktur die auch durch den Einsatz modernster Produktionseinrichtungen unterstrichen wurde.

Im Anschluss an den Werksrundgang stellte Herr Wolfgang Elbert die ANNAX Organisation, die verschiedenen Fahrzeugplattformen und Projekte vor.

Die Annax Gruppe besteht aus 6 Firmen in drei verschiedenen Ländern und fand ihren Ursprung im MBO aus einer Sparte der Firma BOSCH im Jahr 1996. Von anfänglich 10 Mitarbeitern wuchs die Annaxgruppe zu nunmehr  235 Mitarbeitern heran, die im Jahre 2013 einen Umsatz von ca. 40 Mio.€ erwirtschafteten. Neben den Standorten München/Brunnthal und Bern in der Schweiz fertigt die Annax Gruppe auch in Suzhou/China in einem eignenen IRIS-zertifizierten Werk nach deutschem Qualitätsstandard. Im Werk Suzhou werden elektronische Baugruppen für die ANNAX Gruppe und  die nach einem patentiertern Verfahren auf kundenspezifische Größen zugeschnittene TFT Panels (stretched displays) gefertigt.

Als familiengeführtes Unternehmen zählt die Annax Gruppe zu den führenden Herstellern von mobilen und stationären Fahrgast- und Kundeninformationssystemen weltweit.

Zurzeit sind mehr als 1700, von Annax mit FIS ausgestattete Fahrzeuge im Einsatz. Annax bietet die folgenden  Fahrgastinformationsplattformen:

 

  • Railvox 5 für Fernzüge
  • Railvox Metro für U-Bahnen
  • Railvox Light für Strassenbahnen und Nahverkehrszüge

 

Nach der Firmenvorstellung durch Herrn Elbert, stellte Herr Sailer den Tagungsteilnehmern die Technik des Railvox Light Systems an einem Testaufbau vor.

Die Railvox Light Plattform wurde speziell für die Anforderungen von Städten zur Fahrgastbeförderung entwickelt. Dieses System basiert auf IP Technologie und bietet Untersysteme/Funktionen wie automatische Fahrgastdurchsagen, Displays, CCTV, redundante analoge Durchsagen (ELA), WLAN, Fahrzeugortung (GPS) und Flottenmanagement. Railvox Light beherrscht die Mehrfachtraktion von Schienenfahrzeugen.

Es wurden die Funktionen der einzelnen Komponenten und deren Zusammenwirken erläutert. Die Vorstellung stieß bei den Meistern auf großes Interesse und es entwickelte sich ein angeregter Dialog mit den Projektverantwortlichen der Fa. ANNAX.

Herr Werner Malcherek stellte dann im darauf folgenden Vortrag das Blindeninformationssystem „BLIS ANNAX“ für den mobilen und stationären Einsatz vor:

Fahrgastinformation für Sehbehinderte und Blinde – BLIS

Benutzer des öffentlichen Personennahverkehrs in Bussen und Bahnen werden üblicherweise mit optischen Fahrzielanzeigern und akustischen Ansagen über das Fahrziel des jeweiligen Fahrzeugs bzw.die nächste Haltestelle etc. informiert. Obwohl es bekannt ist, das diese Informationen Blinde und Sehbehinderte nicht erreichen, wurde diesem Problem bisher wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

BLIS stellt einem Bus-bzw. einem Bahnfahrzeug, das sich im Haltestellenbereich aufhält, bestimmte Zusatzfunktionen zur Verfügung. Der sehbehinderte Fahrgast verfügt über einen persönlichen Sender, der je nach Erfordernis als Handsender mit Gürtelspange ausgeführt ist oder im Blindenführungsstab integriert ist. Durch Druck auf eine der Kommandotasten können spezifische ELA-Funktionen im Fahrzeug in dessen Nähe sich der Fahrgast befindet, aktiviert werden. Es können verschiedene Funktionen programmiert werden wie z.B.:

Ansage der Linien-Nummer und danach Zielansage,

oder  

Mitteilung eines Mitfahrwunsches eines Sehbehinderten an den Fahrer

oder

eine Ansage aus dem Bordcomputer / ELA wie z.B. :“Achtung , Einsteigewunsch eines sehbehinderten Fahrgastes“ gemacht werden

oder

auch die Ansage der nächsten Haltestelle wiederholt werden.

 

 

BLIS wurde konzeptionell so ausgelegt, dass es sich zur Nachrüstung bestehender Fahrgast-Informationssysteme des öffentlichen Personennahverkehrs eignet und ist in der Ausführung als IBIS-Slave für die Zusammenarbeit mit bereits vorhandenen Bordcomputern oder als Teil der Annax-ELA verfügbar.

Das BLIS-System kann auch als Nachrüst-Kit für Anzeiger an öffentlichen Haltestellen (eine akustische Meldung über die Nummer der Bus/Bahnlinie und über die Fahrtrichtung des Busses oder der Bahn anfordern) eingesetzt werden.

Herr Malcherek stellte danach in seinem Folgevortrag die verschiedenen Anzeigentechnologien mit ihren Vor-und Nachteilen vor.

 

oLED(organic Light Emitting Diodes) / pLED (polymer Light Emitting Diodes)

Funktionsprinzip: oLED/pLED= Materialien, die elektrische Energie in sichtbares Licht umwandeln.

 

Vorteile:

  • Großer Betrachtungswinkel
  • Schnelle Reaktionszeit<1ms
  • Gute Schwarzwerte und Kontrast
  • Fertigung von dünnen,flexiblen Displays möglich
  • Die Farbe wird ohne Filter und ohne Hinterleuchtung erzeugt,
  • geringere Energieaufnahme als LED
  • niedrige Betriebsspannung(Vorteil bei tragbaren Geräten) 

 

Nachteile:

  • Lebensdauer ca.15000 bis 50000h abhängig von Farbe und Leuchtdichte
  • Leuchtdichte für Außen-Anwendungen nicht ausreichend
  • burn in“ Effekt im Laufe der Betriebszeit durch Verlust von Leuchtdichte, wenn ständig gleicher Text angezeigt wird 
  • Lebensdauer der Farbe blau problematisch

 

 

TFT(Thin Film Transistor) bzw. AM LCD (Aktive Matrix Liquid Crystal Display)

Funktionsprinzip: Farbe (=Filterwirkung) aus Weiß (=Hinterleuchtung)-Prinzip. Durch die additive Farbmischung (alle Pixel an) entsteht Weiß. Ein Transistor(TFT) steuert das „Lichtventil“ Flüssigkristall

(LCD) und regelt analog jedes Pixel.

 

Vorteile:

  • sind flimmerfrei (weniger Stress für die Augen)
  • erzeugen ein hochauflösendes, kontrastreiches,
  • videotaugliches, farbiges Bild
  • benötigen weniger Energie als CRT’s oder PD’s
  • und geben entsprechend weniger Wärme ab produzieren weder UV- noch Röntgenstrahlung
  • geringe Einbautiefe und Gewicht

 

Nachteile:

  • Blickwinkel eingeschränkt. Sobald der Betrachter seitlich versetzt auf den Bildschirm blickt, verändert sich Farbe, Helligkeit und Kontrast
  • Durch die Farberzeugung bedingt(Farbfilter) wirkt die Darstellung von Farben weniger  natürlich.
  • eingeschränkte Marktverfügbarkeit

 

LED(Light Emitting Diode)

Funktionsprinzip: LED’s sind Halbleiterdioden die nach Anlegen der Durchlassspannung aus der Sperrschicht heraus Licht emittieren. Die Wellenlänge der Lichtfarbe ist vom Halbleitermaterial und dessen Dotierung abhängig.

 

Vorteile:

  • schnelle Reaktionszeit(Videotauglich)
  • Farbe kann ohne Filter und ohne Hinterleuchtung erzeugt werden
  • hohe Leuchtdichte(außentaugliche Displays)
  • hohe Lebensdauer(Ausnahme Farbe Weiß und Blau)
  • bewährte Technologie
  • rel. Unempfindlich gegen Feuchtigkeit und hohe Temperaturen

 

Nachteile:

  • rel. hoher Strombedarf und Wärmeentwicklung
  • relativ geringe Auflösung
  • relativ geringer Kontrast(kann mit optischen Filtern verbessert werden)
  • vollfarbige(RGB) Matrixanzeiger sehr teuer
  • bei hohen Anforderungen an die Homogenität ist eine Selektion der LED’s unumgänglich die Leuchtdichte ist winkelabhängig

 

Über die Vor-und Nachteile der einzelnen Anzeigentechnologien wurde ausgiebig diskuttiert.

 

Im Folgevortrag wurden von Herr Baumeister die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt IP-KOM-ÖV vorgestellt.

Ziel des Forschungsprojektes war unter Beteiligung der Industrie, Universitäten und Verkehrsunternehmen das VDV 300 Ibis durch den neuen Standard VDV 301 Ibis-IP zu ersetzen. Das heute veraltete IBIS Protokoll eignet sich mit seiner beschänkten DÜ Rate von 1,2Kbit und seiner Fehlerhäufigkeit nicht für moderne Fahrgastinformationssysteme. Es  soll deshalb durch ein leistungsfähiges, IP basiertes und offenes SW Protokoll ersetzt werden. Bei diesem neuen Standard sind auch die Migrationsscenarien zwischen Alt-und Neusystemen wie auch die Integration neuer Medien (Smartphone, Tablet) berücksichtigt worden. Das inzwischen abgeschlossene Projekt wird wesentlich  zu Steigerung des Reisekomforts im ÖPNV beitragen.

 

Herr Malcherek stellte im Anschluss eine neue Fertigungstechnologie der Fa.Annax vor:

Annax schneidet und veredelt TFT panels  kundenspezifisch für den Einsatz im Bahn- und ÖPNV-Bereich.

Warum? Jede Anwendung und jedes Fahrzeug bedingt einen speziellen Formfaktor. Hier setzt Annax seine patentierte Möglichkeit die TFT Gläser kundenspezifisch anzupassen. TFT’s werden heute in Fernost in hoch automatisierten Fabriken in großen Stückzahlen und nur bestimmten Größen vorwiegend für TV- und -Rechnermonitore hergestellt. Wegen der hohen Initialkosten ist es nicht möglich den im Bereich FIS relativ  niedrigen Bedarf in kundenspezifischen Größen zu beziehen.

Genau diese Nische füllt Annax mit dem Zuschneiden von TFT Panels aus dem Massenmarkt.

Bei dem Zuschneiden des TFT wird tatsächlich ein vorhandenes LCD Glas mit seinen Polarisatoren und der Pixelsansteuerung zu einem neuen TFT in einem kleinerem Format modifiziert. Jahrelang hielt man es für unmöglich ein bereits fertig produziertes  TFT Glas zu schneiden und weiter für neue Anwendungen zu nutzen. Diese Möglichkeit  ist  nun gegeben. Nach dem Zuschnitt bleiben alle Funktionen des ursprünglichen TFT-Glases selbstvertändlich erhalten.

Dieses Verfahren fand bei den Tagungsteilnehmern großes Interesse.

Nach einer Zusammenfassung der Eindrücke dieser hochinteressanten und fachlich hervorragend begleiteten Fachtagung bedankte sich Klaus Buchheimer bei der Fa Annax und den begleitenden Referenten im Namen der FVM und der anwesenden Meisterkollegen.

 

 

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