Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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Tagungsbericht Hanning & Kahl

 

Nach Eröffnung der Fachtagung durch das Vorstandsmitglied der FVMöV Harald Sonntag, begrüßte auch der Geschäftsführer von Hanning & Kahl -Herr Wolfgang Helas- die 16 Teilnehmer. Herr Helas beschrieb die Historie von H&K, gab aber auch den Hinweis, daß die Meister mit Ihrer Vereinigung bereits das erste Mal 1957 zu Gast bei H&K waren. H&K wurde 1898 in Bielefeld gegründet. 1928 begann die Markteinführung erster Sicherheitsprodukte für den schienengebundenen Nahverkehr mit den Schienenbremsen. 1937 folgten die ersten Weichenantriebe und -steuerungen, 1959 die ersten hydraulischen Federspeicherbremssysteme. 1992 stand der Umzug nach Oerlinghausen an, dem heutigen Firmensitz. Um das Jahr 2000 stieg H&K in den nordamerikanischen und japanischen Markt ein und erwarb die Mehrheitsanteile der Fa. Verkehrsautomatisierung Berlin VAB. Die Lieferung der ersten Bremseinheiten für Windkraftanlagen folgte 2003. Seit langem ist H&K nicht nur Komponenten-, sondern auch Systemhersteller. Am heimatlichen Standort wurde mit 340 Mitarbeitern zuletzt ein Umsatz von 58 Mio.€ p.a., bei einer Exportquote von 56%, erreicht. Eine gesunde Unternehmenskultur auf Basis von Kaizen, dem betrieblichen Vorschlagswesen, Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft ist entscheidend für die positive wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.

„Guide Light“ ein recht neues Thema, über das Herr Nico Liesenfeld referierte. Hierbei wird ein Lichtband zum intelligenten Leiten von Personenströmen zur schnelleren Orientierung, aber auch zur besseren Evakuierung aus Gefahrenzonen genutzt. Mit einer zweikanaligen Mikroprozessorsteuerung kann ein Sicherheitsprofil bis zu SIL 3 erreicht werden. Die Lichtbänder können in allen erdenklichen Positionen verlegt werden und bieten somit größte Einsatzvielfalt. Die extreme Widerstandfähigkeit, UV- und Hitzebeständigkeit bietet weitere Vorteile. Die Software lässt sich auf nahezu jede Situation hin programmieren, reagiert ereignisorientiert und kann alle externen Signale verarbeiten. Ein Einsatzbeispiel ist die optische Sicherung der Bahnsteigkante mit rotem Licht bei Ein/Durchfahrt eines Zuges und die Freigabe von Abschnitten durch den Einsatz von grünem Licht.      

Herr Jens Meinicke wartete mit 2 Neuheiten auf. SwiCo - Weiche und Antrieb als ein System, sowie dem neuen Gleiskasten. Bisher mussten Weiche, Erdkasten und Antrieb genau aufeinander abgestimmt werden. Zeitaufwändig gestaltete sich Wartung und Montage durch die vorhandene Beischiene. Durch SwiCo ist eine Minimierung der Deckelflächen für den Individualverkehr und der Verzicht der Beischiene im Bereich des Erdkastens möglich geworden. Auch der Einbau ist erheblich einfacher durch u.a. modularer Aufbau aller Komponenten, passgenaue und mittige Lage des Weichenantriebes oder flexibles Entwässerungskonzept ohne Abwasserrinnen. Eine intensive Diskussion mit den Teilnehmern brachten weitere, geringfügige Verbesserungspotenziale. Konstruktives Feedback und die Erfahrungen des Servicepersonales waren auch die Entwicklungsgründe des neuen Gleiskastens. Schutz der elektrischen Anschlüsse vor Korrosion, Vereinfachung der Erreichbarkeit von Kontaktstellen und Befahrbarkeit durch den Individualverkehr gehören zu den Grundeigenschaften eines Gleiskastens. Hier haben sich aber die Einsatz- und Umgebungsbedingungen erheblich geändert. Die Folgen sind Lösen und Absacken der GK, Anfahrungen durch Sonderfahrzeuge und Entstehung von Stolperkanten für Fußgänger. Das Entwicklungsergebnis ist ein universell anschraubbarer GK deren Einbauhöhe auf Leitkantenniveau der Rillenschiene liegt und einen großen Flächenkontakt zum Schienensteg statt einer bisherigen Linienberührung besitzt.

FADIS Fahrweg-Diagnose als Baukastensystem ermöglicht es den Betreiber visualisiert mit vielfältigsten Informationen rund um den Fahrweg zu versorgen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Beispiele sind die Sensorik im Weichenantrieb (Flüssigkeitsmelder, Lastmessbolzen, Wegmessung an den Weichenzungen, Temperatur, Ölstand usw.) bis hin zur Messung des Anpressdruckes des Stromabnehmers. Nach Aufrufen der Hilfsfunktion - hob Herr Kay Klöcker besonders hervor - bekommt man nicht nur die Darstellung der Messwerte, sondern auch Hinweise zur Fehlerursache und -behebung. Um Betriebserfahrungen des Betreibers zu berücksichtigen ist eine Erweiterung der Hilfe durch den Betreiber jederzeit möglich. Tune Q erfasst Anlagendaten und ermöglicht eine sehr umfangreiche Dokumentation. Die Summe der Anwendungsgestaltung erhöht die Anlagenverfügbarkeit deutlich.      

Über das Leistungsspektrum der VAB - Verkehrsautomatisierung Berlin, der 100%igen H&K Tochter referierte der dortige Geschäftsführer Herr Christian Scheiter. Das Betriebshofmanagement, satellitengestützte Leit- und Informationssysteme, das Infrastrukturdatenmanagement, sowie Abonnementverwaltung und Schülerverkehr werden als Lösung mit System angeboten. Visualisierung von Fahrwegelementen und Prozesszuständen ermöglichen außer der Betriebshofübersicht die Fahrzeugidentifikation und -verfolgung. Eine manuelle Standortänderung per Drag+Drog erweitert die Bedienfunktion. Die grafische Ereignisanzeige und die Reaktivierung von Prozesszuständen sind weitere Merkmale. Eine umfangreiche Übersicht über den Fahrzeugeinsatz und deren Planung, Überwachung, Auswertung und Disposition beinhaltet die Steuerung aller standardmäßigen Abläufe auf einem Betriebshof. Werkstattzuführungsplanung, Fahrerinfoterminal und Fahrzeugeinsatzauswertung bieten größtmögliche Effizienz bei der Nutzung der Fahrzeugressourcen und der Werkstattkapazitäten. Mit dem Infrastrukturdatenmanagement kann der Betreiber Infrastrukturdaten, Störungs- und Instandhaltungsinformationen effizient Verwalten. Dies hat direkte Auswirkungen auf das Instandhaltungsmanagement. Es unterstützt nicht nur die Fristenüberwachung, sondern auch die frühzeitige Erkennung von Schäden oder die erforderliche Ersatzteilbevorratung.        

Zu den wichtigsten Parametern des Ersatzteilmanagements -Fachbereich von Herrn Peter Spilker- gehören Preis, Verfügbarkeit und Logistik. Laut Definition ist die Ersatzteilversorgung eine fertigungstechnische und organisatorische Aufgabe, der sich Hersteller langlebiger Gebrauchsgüter und Investitionsgüter zu widmen haben. Dies bedingt aktive Bearbeitung und Bedarfplanung, innovative Lösungen (Ersatzteilpakete…) und eine gute Zusammenarbeit von Anwender und Hersteller. Um Anfrage- und Angebotsvorgänge zu beschleunigen arbeitet H&K mit einer datengestützten Ersatzteilpreisermittlung. Die Preise werden jährlich (1.April), auf Basis von tatsächlichen Herstellkosten bzw. Einkaufspreisen, ermittelt. Hieraus generiert sich eine bedarfsgerechte Jahrespreisliste, die Anfragen und Angebote erspart. Die Lagerhaltung wurde exklusiv für das Nachmarktgeschäft erweitert. Die individuelle Anpassung der Lagerinhalte ist steuerbar. In einer speziellen Fachabteilung findet die Konfektionierung von Ersatzteilsendungen statt. Alle Produkte erhalten vor der Verpackung eine eindeutige, umfangreiche Kennzeichnung mittels eines Aufklebers. Die Lagerung von Sonderteilen, das Definieren von Ersatzteilpaketen oder der Abschluss von Jahres- oder Mehrjahresrahmenverträgen erfordert eine aktive Zusammenarbeit mit dem Betreiber. Wichtigstes Ziel ist H&K die Kundenzufriedenheit durch schnellere Bearbeitung und Verkürzung von Lieferzeiten.

Die mobile Prüfeinheit für hydraulische Bremssysteme, ein sinnvolles Equipment für den Betreiber. Herr Frank Lindhorst führte die Möglichkeiten dieses Gerätes praktisch vor. Zuerst folgte die Anwahl der Hydrogeräte und Federspeicher. Es können Handbetrieb oder Dauertest simuliert werden. Ein komplettes Funktionsschaltbild und Werte wie Strom, Spannung, Druck und Kraft sind auf einem Bildschirm visualisiert. Die Kraft wird mit einer Kraftmessdose anstelle des Bremsbelages ermittelt. Aus den Werten ist ein Diagramm erstellbar. Mittels Kennwerteingabe und ermittelten Messwerten wird ein Prüfprotokoll erstellt. Fehlermeldungen, in einer Liste dargestellt, erleichtern und beschleunigen Reparatur und Wartung.

Bei den intelligenten Lösungen für Infrastruktur und Signalanlagen handelt es sich um technische Unterstützung zur Durchführung eines sicheren Betriebes, auch unter Einbeziehung bereits vorgestellter Produkte. Gute Signaltechnik regelt den Fahrweg von Schienenfahrzeugen, bietet Sicherheit und soll Unfälle verhindern. Die Anforderungen werden insbesondere durch RAM, gesetzliche Anforderungen und dem Lebenszyklus bestimmt. Sicherheitsstandards nach SIL, AK6, SIG RZA und VDV 331 müssen je nach Forderung erreicht werden. Sicherheit wird weltweit sehr unterschiedlich betrachtet, eins ist aber immer - das jeweils akzeptierte Risiko. Sichere Rechnersysteme mit bewährter Technologie sind, laut Herrn Christian Schmidt, u.a. unabdingbare Voraussetzungen zur Erfüllung der Forderungen.

Mit Auflistung der Anforderungen an die Bremsen von Straßenbahnen begann Herr Dietrich Radtke sein Referat. In Deutschland sind dies insbesondere die BOStrab, die Bremsenrichtlinien und die EN13452. Die Ausfallbedingungen, Verzögerungsanforderungen und wenigstens 2 unabhängige Bremssysteme sind nur beispielhafte Forderungen aus den Regelwerken. Konstruktive Auslegungskriterien werden durch den Fahrzeugaufbau, der Lastverteilung oder der Fahrwerkskonstruktion bestimmt. Der Bremssattel mit Bremsscheibe kann an der schnell laufenden Motorwelle, am Einzelrad, auf der Getriebehohlwelle oder auf der Achse montiert sein. Weitere Komponenten wie Hydrogerät, Hilfslösehydrogerät, elektronische Steuerung und die elektromagnetische Schienenbremse müssen beim Einbau Berücksichtigung finden. Die Federspeicher- oder passive Bremse wird mittels hydraulischen Druck gelöst und gilt als Fail-Save-Bremse. Bei der aktiven Bremse wird die Bremskraft durch hydraulischen Druck erzeugt. Mit diesem Prinzip kann die elektrodynamische Betriebsbremse unterstützt und die Gefahrbremsung maximiert werden.

Der tagungsabschließende Betriebsrundgang offenbarte eine sehr gute Produktionsorganisation und betriebsinterne Infrastruktur. Durch unterschiedliche Maßnahmen war eine deutlich positive Motivation bei den Mitarbeitern zu erkennen. Neben wenigen, älteren Produktionseinrichtungen waren die -durch zeitnahe Investitionen angeschafften- modernen Einrichtungen sichtbar. Innerbetriebliche Produktionswege waren bewusst kurz gehalten, die Lagerflächennutzung stellte sich optimal dar. Schulungsräume für Mitarbeiter wiesen lernzielorientierte Ausstattung auf. Die Führungen durch den Betrieb aber auch die mit hoher Kompetenz vorgetragenen Referate bei der Fa. Hanning&Kahl in Oerlinghausen hinterließen bei den Tagungsteilnehmern der Meistervereinigung einen starken, positiven Eindruck.        

 

Harald Sonntag, Wuppertal

      

 

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