Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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Fachtagung mit der Firma Timken in Wuppertal am 23.02.2012

Tagungsbericht TIMKEN am 23.02.2012 in Wuppertal

 

In der Wuppertaler Schwebebahn-Fahrzeugwerkstatt in Vohwinkel eröffnete Harald Sonntag vor 19 Teilnehmern die Fachtagung rund um Wälzlagertechnologie.

Herr Asmuth stellte im Anschluß daran die Firma TIMKEN vor. Henry Timken (aus der Nähe von Bremerhaven) wanderte nach St.Louis in die USA aus, wo er dort das Kegelrollenlager Ende des 19. Jahrhunderts erfand. Heutiger Firmensitz ist Canton in Ohio. In weltweit 27 Ländern werden bis zu 21 tausend Mitarbeiter beschäftigt und somit global die Produkte gefertigt. Grundwerte von TIMKEN sind Ethik, Integrität, Qualität, Innovation und Unabhängigkeit. Sie sind Experten für Reibungsmanagement und Antriebstechnologie. In Colmar befindet sich das europäische Technologie- und Engineering-Center. Die TIMKEN Produkte werden in Straßbourg gelagert. Bei der vernetzten Suche von Produkten ermöglicht die globale Fertigung kurze Lieferzeiten. TIMKEN ist 100% Lieferant von allen Luftfahrt-Landeradlagern. Das Produktportfolio erfasst auch das gesamte Zubehör rund ums Lager. Der Bereich der Serviceleistungen umfasst die Reparatur, Wartung und Überholung von Lagern ebenso wie Zuverlässigkeits- und Diagnosetest sowie die Zustandsüberwachung.

Herr Wiemer referierte im Anschluss über Grundlagen der Lagertechnik. Ziel einer derartigen Lagerung ist die Reduzierung von Reibung, die auch u Einsparung von Ressourcen führt. Ein Wälzlager dient grundsätzlich als Bindeglied zwischen Statik und Dynamik. Bei einem Kugellager liegen die Kugeln nur zu einem geringen Teil in der Bahn auf. In einem Zylinderrollenlager besteht ein linearer Kontakt. Der Käfig führt die Rollen außerhalb der Lastzone. Ein Kegelrollenlager ist i.d.R. mit einem Außen- und Innenring getrennt aufgebaut. Hier bietet die Einstellbarkeit sowohl Vor-, als auch Nachteile. Die Kegel sind so gefertigt, das eine optimale Kreisbahn zu einem sauberen Abrollverhalten führt. Man unterscheidet zwischen passiv und aktiv einstellbaren Lagern. Die Lagerluft ist hier ein bedeutendes Element. Bei der bekannten "PUSH PULL METHODE" wird die axiale Verschiebbarkeit der Welle mit einer Messuhr gemessen. Hierdurch ist es möglich, das tatsächliche Lagerspiel im eingebauten Zustand zu ermitteln. Hauptziel ist das Verhindern von Wärmeentwicklung, die in den meisten Fällen zur Zerstörung des Lagers führt. Ein zu stramme Einstellung führt zu der im Vorsatz erwähnten Erwärmung. Wälzlager sollen trocken und sauber gelagert werden. Erst kurz vor der Montage das Lager auspacken. Nach der Demontage von Lagern die wieder benutzt werden, sind diese zu konservieren. Geschmierte Lager nur auf eine saubere Oberfläche legen. Vor der Montage sind die Dimensionen wie Lagersitz, Gehäuse- und Wellendurchmesser zu prüfen. Lager nicht mit zu weichen oder zu harten Materialien auftreiben. Hier ist nicht gehärteter Stahl am besten geeignet. Standardlager dürfen zur Montage nur bis 150°C, Präzisionslager nur bis 65°C erwärmt werden. Zum Erwärmen darf nie ein Schweißbrenner Verwendung finden. Als innovatives Produkt dient ein induktives Anwärmgerät mit Flex Coil. Weiteres Thema war die richtige Schmierung. Ein Schmiermittel trennt die metallischen Flächen voneinander. Mineralische Fette dürfen nur 2/3 und synthetische Fette nur 1/3 des freien Volumens einnehmen. Fett klebt bis 12m/s Geschwindigkeit, darüber hinaus ist der Einsatz von Öl sinnvoller. Ein Nachschmieren ist über Nuten und Nippel möglich, Kartuschenlager sind lebensdauergeschmiert. Das Schmiermittel leitet Wärme ab und scheidet Fremdkörper aus. Lagerschäden entstehen durch Fremdstoffeintrag, Korrosion, Überbeanspruchung; unkorrekte Schmierung, Vibrationen und Schiefstellungen. Sichtbar werden Schäden durch Punktausbruch, Spannungsspitzen, Riefen, Schälung, Grübchen, Brinellierung, Riffel und Feuchtigkeit. Jede der aufgelisteten Schäden entsteht durch eine bestimmte Ursache und lässt sich dadurch analysieren. Falsche Handhabung kann u.a. zu Käfigschäden führen. Der Käfig verformt sich und die Rollen klemmen oder stellen sich schief.

Im letzten Referat erläuterte Herr Kessler die Aufarbeitung von Wälzlagern. Die Aufarbeitung ist umweltfreundlicher und benötigt einen geringeren Energieaufwand, gegenüber der Fertigung von Neulagern. Lebenszykluskosten werden reduziert, kürzere Lieferzeiten sind ein weiterer Vorteil. Bedingungen und Konditionen bei der Gewährleistung sind die gleichen wie bei Neuprodukten ohne negativen Einfluss auf die Sicherheit. Lagerschäden sind frühzeitig erkennbar, durch technische Maßnahmen sind diese reduzierbar. Zuständiger Aufarbeitungsstandort ist in Northampton (GB). Hier ist die Aufarbeitung sämtlicher Lagerarten, auch verschiedener Hersteller möglich. Es wird Reconditioning und Remanufacturing angeboten. Beim Reconditioning werden die Hauptkomponenten der Lager nicht getauscht. Die Teile werden gesäubert, inspiziert, neu eingestellt und neu geschmiert. Beim Remanufacturing kommen neue oder ein Mix aus neuen und benutzten Teilen zum Einsatz. TIMKEN ist Dienstleister mit dem Gesamtverständnis und der Erfahrung für das Produkt.

Sämtliche Vorträge sind mit sehr anschaulicher Darstellung durch Besichtigung von Mustern und optischer Unterstützung durch Filmsequenzen begleitet worden. Zum Abschluss wurden die vermittelten Inhalte an 2 Workshopstationen in der Werkstatt praktisch umgesetzt. Jeder hatte hier die Möglichkeit Kegel- und Pendelrollenlager zu montieren, demontieren und einzustellen. Mit dem TIMKEN Eco Power Anwärmgerät incl. Flex Coil wurde die sichere und schnelle Demontage eines Lagerringes vorgeführt.

 

Harald Sonntag, Wuppertal

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