Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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Bericht Fachtagung KNIPEX 19.01.2011 in Wuppertal

 

Carl Gustav Putsch machte sich 1882 selbständig und schmiedete mit zwei Gesellen Kneifzangen und Hufbeschlagzangen, 60 pro Tag. Auch weitere Arbeitsgänge wurden in sorgfältiger Handarbeit ausgeführt. Die Qualität war begehrt, die kleine Firma expandierte. Bis heute ist KNIPEX ein unabhängiges Familienunternehmen geblieben. Neue Zangentypen und bahn brechende Innovationen kamen hinzu. Die Anzahl der belieferten Länder stieg stetig an. Das Grundprinzip ist geblieben: einer Produktgruppe treu bleiben, alle Kräfte darauf konzentrieren und bei Zangen die Besten sein.

 

28 aufmerksame Meisterkollegen hörten nach Eröffnung der Fachtagung durch Harald Sonntag diese einstimmenden Worte von Herrn Jürgen Steinhauer vom Produktmanagement, die anschließend im Rahmen einer ausführlichen Betriebsbesichtigung eindrucksvoll unterstrichen worden sind. Unter mehreren Highlights befand sich auch das KNIPEX Museum mit historischen Werkzeugen und Maschinen. KNIPEX bietet ein Programm von rund 1.000 verschiedenen Zangen. Damit wird für jede Anwendung genau das richtige Werkzeug zur Verfügung gestellt. Im Vordergrund steht dabei, was die Arbeit leichter, schneller und sicherer macht. Ziel ist es u.a. bei der Arbeit Kraft zu sparen und das gesamte Hand-Arm-System zu entlasten.

 

Die Mitarbeiter mit ihrer umfangreichen Erfahrung, ihrem Wissen und ihrem Können sorgen dafür, dass alles genau so wird, wie es die Kunden erwarten. Die Zangen durchlaufen viele Herstellungsschritte, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Vom Schmieden über die mechanische Bearbeitung, das Härten, die Oberflächenveredelung bis zum Verpacken finden alle Arbeitsgänge unter einem Dach statt. Es wird ständig an neuen Produkten und Produktvorteilen gearbeitet, die den Anwendern handfesten Mehrwert bieten. Zum Beispiel, indem sie beim Schneiden Kraft sparen oder eine Zange zum Greifen schneller und feiner verstellen können oder auf ein schweres Werkzeug verzichten können, weil ein kompakteres die gleiche Arbeit tut. Ob kleine Verbesserung oder ganz neue Idee: alles wird akribisch durchdacht und mit modernster Software konstruiert. Dann werden die neuen Modelle auf Herz und Nieren erprobt – mit Hilfe von Simulationen im Computer, im Testlabor und im Praxiseinsatz.

 

Mit dem Wuppertaler Standort fühlt sich KNIPEX eng verbunden. Hier besteht eine klare Mitverantwortung für Umwelt, Gesellschaft und den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur.

 

Besonders viel liegt KNIPEX an seinen Mitarbeitern. Mit ihrem Wissen und Können, ihrem Einsatz und ihren Ideen sind sie die Grundlage des Erfolgs. Es wird viel Wert auf ein gutes und faires Miteinander gelegt, mit dem Wissen, dass die hohen Ziele nur gemeinsam erreicht werden können. KNIPEX bildet sehr gründlich aus und unterstützt die Mitarbeiter, wenn sie sich weiter entwickeln und dazulernen wollen.

 

Frau Sandra Christ und Herr Joachim Strupp, beide zuständig für Aus- und Weiterbildung referierten kompetent zu Ihrem Aufgabenbereich. Zur Zeit wird in folgenden Fachrichtungen ausgebildet: Fachinformatiker/in, Industriekaufmann/-frau, Industriemechaniker/in, Werkzeugmechaniker/in, Mechatroniker/in und Verbundstudium Maschinenbau, sowie Praktika. 50 Azubis (in allen Ausbildungsjahren) erlernen derzeit bei KNIPEX ihren Beruf. Für die technischen Azubis hat KNIPEX eine komplette Ausbildungswerkstatt eingerichtet, mit modernen CNC-Maschinen, Lernsoftware. Auf die Erfolgserlebnisse im Rahmen von Projektarbeit freuen sich alle Azubis: Die technischen Azubis arbeiten zum Beispiel im Werkzeugbau, in der Produktion und Instandhaltung; angehende Industriekaufleute lernen sämtliche Fachabteilungen kennen und finden dabei heraus, wo ihre Stärken liegen beispielsweise im Vertrieb, im Umgang mit Zahlen oder in der Organisation und Planung.

 

Herr Dirk Neuhaus hatte im Anschluss noch die Gelegenheit, das Qualitätsmanagement im Hause KNIPEX vorzustellen. Die Aufbauorganisation des Unternehmens ist klar prozess- und nicht abteilungsorientiert. Prozesse werden auch dahingehend entwickelt, ob es sich um ein Nachfolge- oder Neuprodukt handelt und werden gemeinsam erarbeitet. Jede Arbeitsstation ist mit Prüfplänen ausgestattet.

 

Das vielen bekannte System des betrieblichen Vorschlagswesens (Verbesserungsvorschläge) nennt man bei KNIPEX Änderungskoordination. Das Einbringen von Verbesserungen wird im Rahmen der Identifikation mit dem Unternehmen erwartet. Ideen werden strategisch herbeigeführt, können aber auch "plötzlich" entstehen. Nach einer kurzen Mittagspause entführte uns Herr Jürgen Steinhauer endgültig in die Welt der Zangen. Das Konstruktionsprinzip der Zange ist der "zweiarmige Hebel". Jede Zange arbeitet nach dem Hebelgesetz. Genutzt wird der Keil als Grundform des spaltenden Werkzeuges. Je spitzer der Winkel, desto leichter dringt die Schneide in den Werkstoff ein. Um die Wirtschaftlichkeit der Zange nicht zu gefährden, wird folgende Klassifizierung der zu schneidenden Werkstoffe vorgenommen: weich, mittelhart, hart und Pianodraht. Die Kombizange als klassisches Universalwerkzeug dient zum Greifen von Flach- und Rundmaterial und zum Schneiden von Draht und Kabeln. Der Niet sitzt hier nicht mehr in der Gelenkmitte sondern hat einen exzentrische Lage um den Kraftaufwand zu minimieren. Als ergonomische Weiterentwicklung dient eine Öffnungsfeder, die die Zange stets sicher in die Hand drückt und rutschfeste Zweikomponentengriffe, die nicht mehr aus der Hand rutschen. Bei jedem Seitenschneider wird jeweils vorne, mittig und hinten eine Schnittprobe durchgeführt. Der Draht muss beim Schneiden weg springen. Eine wesentlich höhere Stabilität wird durch die angeschmiedete Gelenkachse erreicht. Bei dem Kraft-Seitenschneider bewirkt eine 12° abgewinkelte Ausführung die Handfreiheit bei aufliegenden Schneiden.

Der neue Bolzenschneider "CoBolt" besticht durch geringeres Gewicht, besseres Handling und bedarf weniger Kraftaufwand. Über Excenter ist die Einstellung kann die Messer vorgenommen und Verschleiß korrigiert werden. Polymereinsätze dämpfen wirkungsvoll den Schnittschlag. Die stabilen Zweikomponentengriffhüllen sind am hinteren Ende mit einer Scheibe verstärkt, um das Durchstanzen zu verhindern, wenn der Bolzenschneider auf den Boden gestoßen oder aufgestützt wird. Die Eigenfertigung Einhanddrahtseilschere ist komplett geschmiedet und besitzt eine unverlierbare, innen liegende Feder, sowie eine hohe Präzision durch ein geschraubtes Gelenk. Pressen von Alu-Quetschhülsen und Bowdenzugendkappen dienen als Zusatzfunktionen.

Die Wasserpumpenzange "Alligator" hat ihre Innovation u.a. durch den bogenförmigen Verstellbereich erfahren (9 statt 7 Einstellmöglichkeiten) und ist selbstklemmend an Rohren und Muttern. Nach dem Andrücken der Zange auf dem Rohr kann der untere Schenkel losgelassen werden. Die Kraft wird nur noch in Drehmoment umgesetzt, ein festes Zusammendrücken der Griffe ist nicht erforderlich. Bei der "Cobra" wird die Einstellung per Knopfdruck eines gefederten Gelenkbolzens direkt am Werkstück vorgenommen, die Zangengriffe bleiben dabei in Arbeitsposition. Die "Cobra XL, XXL" entspricht einer 1½", 2" Rohrzange mit einer größeren Kapazität als eine 2", 3" Zange. Eine Mini-Wasserpumpenzange mit maximalen Möglichkeiten ist eine geeignete Alternative bei beengten Platzverhältnissen.

Bei der "SmartGrip" ist keine Voreinstellung nötig. Der Einstellvorgang zur Anpassung an das Werkstück geschieht automatisch. Zangenschlüssel besitzen glatte, harte Backen, sind über Druckknopfmechanik stufenlos einstellbar und ersetzen somit einen ganzen Schlüsselsatz. Durch die spielfreie Anpassung an die Schlüsselflächen findet dort keine Deformation statt und die Umsetzung geschieht wie bei einer Ratsche. Die Schraubzange ersetzt ebenfalls einen kompletten Maulschlüsselsatz. Auch durch Lackierung vergrößerte Schlüsselweiten ist für sie kein Problem.

 

KNIPEX bietet 83 verschiedene Zangen für Sicherungsringe. Für präzises Arbeiten sind Spitzen aus hoch verdichtetem Federstahl in einer riefenfreien Oberfläche eingesetzt. Die Spitzen   sind unverlierbar und haben eine höhere Standzeit. Im Bereich der Kabelzangen führt die Kabelschere vor dem Seitenschneider. Die Scherenfunktion bedarf weniger Kraftaufwand, schneidet präziser und das Kabel verquetscht nicht. Eine Innovation ist das Doppelprofil in der Schneiden um so eine günstigere Schenkelweite zu erreichen. Es kann vorne vor- und hinten nach geschnitten werden. An einem  Zangenmodell kann mittels Ratschenprinzip das Kabel in mehreren Hüben durchgeschnitten werden. Eine weitere hochinnovative Kabelschere besitzt die Ratschenfunktion und Teleskopschenkel. Sie besticht durch ihr leichtes Gewicht und den geringen Platzbedarf. Durch die Abknickmöglichkeit eines Teleskopschenkels lassen sich hohe Kabelquerschnitte leicht und ergonomisch schneiden. Eine große Vielfalt ist auch bei den Abisolier- und Crimpwerkzeugen vorhanden. Mit Formmessern ist eine optimale Abisolierung auch problematischer Isolierungen möglich, ist aber im Gegensatz zu anderen Zangen nur für jeweils einen Querschnitt verwendbar. Selbsteinstellende Crimpzangen mit Fronteinführung zeigen beim Quetschen von Aderendhülsen beste Ergebnisse. Sie besitzen automatische Querschnittsanpassung und crimpen in einem Profil. Die Multicrimpzange deckt mit Ihrem Wechselmagazin einen großen Querschnittsbereich ab. Für das Lösen von Kabelbindern bietet KNIPEX eine besondere Lösung. Da das Lösen mittels Seitenschneider den Kabelbund beschädigen kann, wird in einer kleinen Spezial Gürteltasche mit doppeltem Klettverschluss ein kleiner Seitenschneider mit speziell verrundeten Kanten und ein kleiner Zangenschlüssel mit Laser-Charierung auf den Backen angeboten. Mit diesem Grip kann der Kabelbinder sicher gegriffen und durch drehen schadfrei entfernt werden. VDE und Zangen schließen sich nicht aus, auch hier hat KNIPEX einige Lösungen zu bieten.

 

Zwischen den Gesprächspausen hatten die Teilnehmer immer die Gelegenheit alle Zangen an Vorführständen praktisch zu erproben. Diese Fachtagung weitete, durch lebhafte und hochkompetente Präsentation, den Blick für Zangenwerkzeuge. Viele nahmen Anregungen mit in das Betriebsleben um die Arbeitsprozesse sicherer und ergonomischer zu gestalten.

 

Harald Sonntag, Wuppertal    

 

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