Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
Freie Vereinigung der Meisteröffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.

 

05. Fachtagung bei der Firma Voith in Heidenheim

Datum: Di. 15.06.2010. – Mi. 16.06.2010.

Teilnehmerzahl: 29

 

Am nordöstlichen Ende der Schwäbischen Alb trafen sich 29 Kraftfahrzeug- und Straßenbahnmeister zu einer Fachtagung bei der Firma Voith in Heidenheim.

Nach einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit Unternehmensvertretern am 15.06.2010 wurden die Tagungsteilnehmer am nächsten Tag im Ingenieurzentrum der Firma Voith von den Vertretern der Firma Voith begrüßt.

Die Voith Unternehmensgruppe gliedert sich in die Bereiche:

Voith Paper,

Voith Turbo,

Voith Hydro

Voith Industrial Services.

Die Firma Voith ist eines der großen Familienunternehmen Europas mit 39.000 Mitarbeitern an 280 Standorten und erzielt einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro.

Die umsatzstärkste Unternehmensgruppe ist Voith Paper mit einem Umsatz von 1.743 Mio. € im Jahr 2008/2009.

Die Unternehmensgruppe Voith Turbo mit den Gruppen Industrie, Straße, Schiene und Marine verzeichnete im gleichen Jahr einen Umsatz von 1.232 Mio. € mit 5.428 Mitarbeitern.

Damit ist Voith Turbo mit 24 % am Gesamtumsatz des Konzerns beteiligt.

Produkte und Leistungen, die im Bereich Straße erbracht werden, sind:

Automatikgetriebe für Omnibusse

hydrodynamische Retarder

Turbolader

Torsionsschwingungsdämpfer.

Der Marktbereich „Schiene“ bietet an Produkten und Leistungen:

Antriebssysteme für Schienenfahrzeuge

Gelenkwellen

Kühlanlagen

Scharfenbergkupplungen

Prallelemente

sowie die dieselhydraulischen Lokomotivfamilien Voith Maxima und Voith Gravita.

Im Anschluss an die Vorstellung des Unternehmens wurden die teilnehmenden Meisterkollegen in die Marktbereichsgruppen „Straße“ und „Schiene“ aufgeteilt.

 Für den Marktbereich „Schiene“ referierte anschließend Herrn Pyka über mechanische Antriebssysteme, insbesondere wurden die verschiedenen Radsatzgetriebe für Hochgeschwindigkeitszüge im In- und Ausland und für LRV, sprich Straßen- und Stadtbahnen vorgestellt.

Im anschließenden Vortrag referierte Herr Sauter über das neue Service Center „Schiene“. Weltweit befinden sich in der Betreuung des Service Centers „Schiene“ 40.000 Turbogetriebe, 80.000 Radsatzgetriebe, 12.000 Gelenkwellen und 10.000 Kühlsysteme. Der Service für die Kunden umfasst die Ersatzteilversorgung, die Reparaturen (auch vor Ort beim Kunden), Serviceverträge, Wartungsverträge, das Engineering für Motorisierung und Rehabilitationsprojekte und die Inbetriebnahme von Voith Turbokomponenten.

Das Service Center „Schiene“ am Standort Heidenheim verfügt über 90 Mitarbeiter und erzielte am Standort im Jahre 2008 /2009 39,3 Mio. € Umsatz . Anhand von diversen Produkten wurde der Ablauf einer Instandsetzung bzw. Hauptüberholung nach Voith Stan­dard erläutert.

Herr Aurich präsentierte in seinem Referat, Produkte und Serviceleistungen im Bereich Scharfenbergkupplungen.

Vorgestellt wurden insbesondere komplette Frontsysteme für Hochgeschwindigkeitszüge, sowie Bugklappensysteme und Systeme zur Kupplungsabdeckung.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Vorstellung neuer Systeme zur Übertragung zusätzlicher Daten über die elektrische Kupplung, die zusätzlich zum vorhanden elektrischen Teil montiert werden können.

Im Anschluss erfolgte die Vorstellung des Service Centers für Scharfenbergkupplungen und deren Produkte und Dienstleistungen.

Für den Marktbereich „Straße“ referierte Frau Gatter über Voith DIWA 5 SensoTop, anschließend gab es von Frau Scaglione einen Vortrag über DIWA Excellence und DIWA SmartNet.

 

DIWA Excellence im täglichen Einsatz

Die Kraftstoffkosten stellen einen wesentlichen Block in den gesamten Betriebskosten dar. Voith bietet im Rahmen von DIWA Excellence eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs an. Mit den Möglichkeiten der Getriebesteuerung lassen sich die serienmäßigen beschleunigungsabhängigen Schaltprogramme weiter optimieren und Einsparpotentiale realisieren.

Ein weiterer Baustein von DIWA Excellence ist die Untersuchung und Bewertung des Fahrzeugeinsatzes über die gespeicherten Betriebsdaten. Eine Analyse der Verkehrssituation kann hier versteckte Einsparpotentiale zutage bringen, indem Stillstandszeiten, Durchschnittsgeschwindigkeit, Stopps pro Kilometer usw. genauer durchleuchtet werden.

DIWA Excellence in der Werkstatt

Der Health Check ist angebracht für Getriebe mit hoher Laufleistung und ist insbesondere für Betreiber von Gebrauchtfahrzeugen von Interesse, die schnell und kostengünstig eine qualifizierte Aussage über den Getriebezustand erhalten wollen. Mittels einer umfassenden Prüfung von Getriebe und Peripherie kann über die Notwendigkeit einer Überholung entschieden, oder der Zeitpunkt längerfristig geplant werden - in jedem Fall aber mit dem Vorteil der deutlich niedrigeren Kosten einer präventiven Maßnahme.

Mit der Getriebezustandsüberwachung durch die Getriebesoftware kann der Zeitpunkt für eine präventive Überholung noch effizienter gewählt werden. Abhängig von der Freigabe der Software durch den Fahrzeughersteller bietet Voith die Erweiterung der Getriebesoftware um ein Modul zur permanenten Zustandsüberwachung des Getriebes an - mit der Möglichkeit, den Getriebezustand auch per Ferndiagnose via GSM abzufragen.

Gleich ob Health Check oder kontinuierliche Überwachung per Getriebesoftware - selbstverständlich stehen auch für eine präventive Überholung Tauschgetriebe oder Tauschaggregate für die zentralen Baugruppen des DIWA Getriebes zur Verfügung. Neben der kurzfristigen Verfügbarkeit bieten diese Tauschteile für den Betreiber die Sicherheit, dass er Komponenten gemäß dem Voith-Standard erwirbt - gefertigt und geprüft nach Serienstandards.

Das Getriebe spielt im Hinblick auf die Life-Cycle-Costs (LCC) eines Fahrzeugs eine nicht unwesentliche Rolle. Umso wichtiger ist es, diesen Kostenblock zu minimieren und planbar zu machen. Mit DIWA Excellence wird eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten vom LCC- bis hin zum Full-Service-Vertrag geboten einschließlich der regulären Wartung.

 

DIWA SmartNet – Antriebsstrangmonitoring weltweit

 

Aus den Liveübertragungen von Formel-1-Rennen ist es den meisten bekannt: Per Telemetrie werden wichtige Daten von Motor und Getriebe online vom Fahrzeug direkt in die Box übertragen. So ist das Boxenteam ständig über den Zustand dieser Komponenten auf dem Laufenden. Dies geht jetzt auch mit dem Voith DIWA Getriebe. Mit DIWA SmartNet bietet Voith die Möglichkeit, den Antriebsstrang periodisch zu überwachen – mit der Option des Onlinezugriffs auf die Getriebesteuerung sowie der automatischen Generierung einer SMS im Störungsfall.

               

Innerhalb des Antriebsstrangs eines Fahrzeugs nimmt das Getriebe die zentrale Position ein und bildet dadurch eine wichtige Schnittstelle, an der wesentliche Daten einfach und meist ohne zusätzliche Sensorik erfassbar sind. Im Linienbus wird dies heute über die Betriebsdatenerfassung moderner Automatikgetriebe mehr und mehr genutzt. Diese Daten geben nicht nur Aufschluss über das Getriebe selbst, sondern über den Antriebsstrang als Ganzes sowie den tatsächlichen Einsatz des Fahrzeugs. Dabei werden die Betriebsdaten ergänzt durch den klassischen Fehler- oder Ereignisspeicher bis hin zu Softwarefunktionen zur Schadensfrüherkennung einschließlich z.B. der Ölalterung. Um diese Daten im täglichen Einsatz effizient nutzen zu können, muss ein einfacher, schneller und direkter Zugriff auf sie möglich sein. Üblicherweise werden diese Daten heute über eine direkte Verbindung des Diagnosegeräts mit der Getriebesteuerung ausgelesen – nach Feierabend, wenn das Fahr­zeug in den Betriebshof zurückgekehrt ist. Bei immer längeren täglichen Einsatzzeiten der Fahrzeuge und weit verstreuten Betriebshöfen ist dies ein sehr zeitaufwändiges und kostenintensives Unterfangen. Hier bietet sich eine regelmäßige Übertragung der Daten via GSM/GPRS an, wobei sie zentral auf einem Webserver abgelegt werden.

 

DIWA SmartNet integriert diese Form der Datenübertragung mit der Auswertung und Visualisierung der wesentlichen Informationen unter einer einfach zu handhabenden Benutzeroberfläche. Über den Zugriff per Internet erhält der Betreiber direkten Einblick in die wesentlichen Betriebsparameter des Fahrzeugs wie Durchschnittsgeschwindigkeit oder die jeweilige Laufleistung, aber auch eine Übersicht über den Getriebezustand – visualisiert anhand einer Ampelfunktion mit Grün, Gelb und Rot, je nach Zustand und den eventuell erforderlichen Maßnahmen.

 

SensoTop - das topographieabhängige Schaltprogramm

Ein Schaltprogramm ohne Kompromisse - alle Schaltpunkte werden ideal an die jeweilige Fahrstrecke und den Beladungszustand angepasst. Erreicht wird dies durch die Kombination der bisherigen Funktionen der Getriebesoftware - das beschleunigungsabhängige Schaltprogramm BASP - mit einem einfachen und wartungsfreien Topographiesensor in der Steuerung. Erst diese Kombination liefert schnell und präzise die Information, die für die stufenlose Anpassung der Schaltdrehzahlen an die Topographie benötigt werden. So lassen sich Möglichkeiten erschließen, die bislang z.B. wegen der Vermeidung von Pendelschaltungen nicht nutzbar waren - mit dem Potential einer weiteren Kraftstoffver­brauchsreduzierung um bis zu 7 %. 

Der Verbrauch eines Linienbusses kann über das Automatgetriebe deutlich verringert werden. Wesentliche Maßnahmen hierfür sind die automatische Neutralschaltung bei Stillstand ANS sowie das beschleunigungsabhängige Schaltprogramm BASP, welches die Schaltdrehzahlen entsprechend den Anforderungen soweit als möglich absenkt – beides mit Voith DIWA seit über zehn Jahren in Serie. Auch wenn dem Fahrer heute mehrere BASP zur Verfügung stehen und zwischen diesen entweder manuell oder automatisiert, z.B. über eine Zielanzeige, umgeschaltet werden kann, so haben diese Programme doch eine Einschränkung: Jedes Schaltprogramm ist nur für jeweils eine bestimmte Topographie ausgelegt.

Voith geht mit der Entwicklung des topographieabhängigen Schaltprogramms SensoTop den entscheidenden Schritt weiter: Mit SensoTop werden die Schaltdrehzahlen unter Berücksichtigung des Beladungszustands optimal der Topographie angepasst. In Steigungen exakt die Leistung, die der Fahrer benötigt, in Gefällestrecken eine Absenkung der Schaltdrehzahlen auf das technisch mögliche Minimum. Und gerade hier lassen sich Potenziale nutzen, die bisherigen Schaltprogrammen verschlossen geblieben waren.

Möglich wird dies durch den Einsatz einer zusätzlichen Sensorik in der Steuerung, die weder Kalibrierung noch sonstige Wartung erfordert. Konnte man mit den bisherigen Auswertungsmöglichkeiten einer Getriebesteuerung die Topographie nur abschätzen – und damit letztlich die Schaltdrehzahlen auch nur grob adaptieren – so liefert erst das Zusammenspiel der Auswertung der Fahrdynamik mit dieser Sensorik schnell und präzise die Information, die eine ideale Anpassung der Schaltdrehzahlen an alle Gegebenheiten erlaubt.

Die automatische Anpassung der Getriebeschaltprogramme an jegliche Randbedingungen bringt eine Vielzahl von Vorteilen mit sich. Für den Fahrzeughersteller bedeutet dies eine deutliche Vereinfachung durch eine Variantenreduzierung und die Gewissheit, immer die optimale Konfiguration an den Betreiber ausliefern zu können. Der Betreiber kann sich sicher sein, dass in allen Fahrsituationen die aktuell benötigte Leistung auch wirklich verfügbar ist – Voraussetzung z.B. für eine optimale Gestaltung des Fahrplans. Und nicht zuletzt bedeutet die Optimierung der Schaltprogramme unter Ausnutzung der topografischen Gegebenheiten ein zusätzliches Einsparpotenzial von bis zu sieben Prozent weniger Kraftstoff.

Das topographieabhängige Schaltprogramm SensoTop bedeutet mehr Wert für Fahrzeughersteller und Betreiber – und auch mehr Wert für die Umwelt: Fortschritt einen Schritt weiter.

 

Zum gemeinsamen Mittagessen fuhren die Teilnehmer anschließend zum Werk nach Mergelstetten. Nach der Einnahme des Mittagsessens gab es eine Führung durch das neue Voith Getriebewerk, das im Frühjahr diesen Jahres fertiggestellt und eingeweiht wurde, bzw. seine Produktion aufnahm. Bei dem Rundgang durch das Werk bekamen die Kollegen einen Einblick in die Produktion der Komponenten, wie Ritzel- und Zahnräder von der Lagerung des Rohmaterials über die diversen Bearbeitungsmaschinen, Montagestraße der Radsatzgetriebe bis hin bis zum Prüfstand, wo dann die fertigen Radsatzgetriebe oder ähnliches auf ihre korrekte Funktion geprüft werden.

Im Anschluss daran erfolgte die Abschlussdiskussion in der die Voith-Mitarbeiter sich den zahlreichen Fragen der Tagungsteilnehmer stellten und diese auch zur vollen Zufriedenheit beantworteten.

Werner Strauch, Vorsitzender der freien Vereinigung Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe, bedankte sich für die gelungene Fachtagung bei der Firma Voith und wünschte zum Schluss allen Tagungsteilnehmern eine gute und vor allen Dingen unfallfreie Heimfahrt.

 

 

 

 

Besucher

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.