Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
Freie Vereinigung der Meisteröffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.

Fachtagung bei der VDL Bus & Coach in Haselünne

Datum: Di. 26.05. bis Mi. 27.05.2009

Teilnehmer: 20

 

Bei der Mai-Fachtagung der Kfz-Meister ging es diesmal um die Produktlinie des holländischen Omnibusherstellers VDL Bus & Coach. Dafür waren die Teilnehmer der Einladung ins Emsland nach Haselünne gefolgt. Nach der Begrüßung durch den Vertreter der Freien Meistervereinigung, Werner Laber, erläuterte Stefan Simon, ÖPNV-Beauftragter in Deutschland für VDL Bus & Coach, das Tagungsprogramm.

 

 

Der VDL-Konzern

 

Den VDL-Konzern und VDL Bus & Coach stellte Gerhard Roß, Verkaufsingenieur und stellvertretender Leiter des Bereich „Öffentlicher Verkehr“ bei VDL Bus & Coach vor. Der VDL-Konzern ist heute ein internationales inhabergeführtes Industrieunternehmen, das sich mit der Entwicklung, der Produktion und dem Verkauf hochwertiger Metall- und Kunststoffprodukten, Bussen und sonstigen Fertigprodukten (z.B. Verpackungsmaschinen, Parksystemen, Containerhandlingssysteme) beschäftigt. VDL besteht aus einem Zusammenschluss flexibler, selbstständiger Unternehmen, die jeweils ihr eigenes Geschäftsfeld haben. Der 1953 gegründete Konzern beschäftigt heute in 78 Einzelbetrieben in 14 Ländern rund 7.100 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz belief sich 2008 auf rund 1,7 Mrd. Euro, davon entfielen auf den Busbereich knapp 700 Mio. Euro.

Der Busbereich innerhalb des VDL-Konzerns besteht aus mehreren Herstellerfirmen, die gemeinsam auf dem Weltmarkt tätig sind. Kernaktivitäten von VDL Bus & Coach sind Entwicklung, Produktion, Verkauf und After Sales Service einer breiten Palette von Bussen und Fahrgestellmodulen sowie der An- und Verkauf von gebrauchten Bussen. Die Produktion erfolgt in den Niederlanden und in Belgien.

 

Produktportfolio im Stadtbusbereich

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Stefan Simon erläuterte in einem Fachvortrag die unterschiedlichen Hersteller bei VDL und das Produktportfolio im Stadtbusbereich. VDL Bus & Coach ist im Linienbusbereich in Deutschland ein Newcomer. Mit den Lieferungen an die Busunternehmen Werner (Abellio), First Group, HEAG mobiBus sowie verschiedene private Verkehrsunternehmen in Hessen hofft VDL, weiter auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen und künftig noch mehr ÖPNV-Betriebe von seinen Produkten zu überzeugen.

 

VDL Berkhof Ambassador

 

VDL Berkhof hat in Deutschland vor allem den Ambassador in 10,5-Meter- (ALE106) oder 12-Meter-Ausführung (ALE120) verkauft.

Bei der Entwicklung des Fahrzeuges waren für VDL folgende Kriterien maßgeblich: niedrige Betriebskosten, geringes Gewicht, Sicherheit, Komfort, Zuverlässigkeit, ein modulares Baukonzept sowie ein modernes Design.

Der Ambassador beruht auf einem so genannten „Leichtgewicht-Bus-Konzept“. Das Leergewicht des ALE120 beträgt nur 8.900 kg bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 14.440kg. Das Fahrzeug wird nur als Low-Entry-Fahrzeug gebaut und ist mit 6,7 Liter- Cummins-Motoren in den Leistungsklassen 151/165kW in Euro 4/5 oder EEV-Ausführung erhältlich. Durch das geringe Fahrzeuggewicht liegt der Dieselverbrauch um 10 bis 14 l niedriger als bei einem vergleichbaren 12-Meter-Fahrzeug.

Der selbsttragende Bus hat einen Edelstahlrahmen (3CR12), Boden und Dach sind als Sandwich-Paneele ausgeführt, Kunststoffbeplankung und Scheiben werden geklebt.

Durch niederflurige Ein- und Ausstiegstüren und den podestlosen Innenraum im Vorderwagen ist der Ambassador auch für mobilitätseingeschränkte Personen zugänglich. Nur die Sitz- und Stehplätze im hinteren Teil des Fahrzeuges werden durch zwei Stufen erreicht.

Mittlerweile sind über 2000 Omnibusse vom Modell Ambassador im Einsatz. In Deutschland wird gerade der hundertste Ambassador ausgeliefert.

 

Neue Linenbusfamilie Citea

 

Unter dem Namen Citea entwickelt VDL eine neue Generation von Stadt- und Überlandbussen. Das erste Modell mit dem Citea CLF (low floor) wurde 2007 auf dem UITP-Kongreß in Helsinki vorgestellt. Im Herbst 2008 folgte mit dem Citea CLE (low entry) das Schwestermodell.

 

Der CLF ist ein Niederflurfahrzeug mit 12 m Länge und einer Kapazität von zirka 100 Fahrgästen. Er ist als klassischer Stadtbus mit zwei oder drei Türen erhältlich. Das Fahrzeug wurde in direkter Zusammenarbeit mit Verkehrsbetrieben für den gesamten europäischen Markt entwickelt.

Je nach benötigter Leistung stehen Motoren von Cummins oder DAF zur Auswahl. Die Kraftübertragung erfolgt durch Automatikgetriebe der Hersteller Voith oder ZF. Die Antriebseinheit befindet sich als Turmbau im Heck auf der linken Seite. Die Vorderachse mit Einzelradaufhängung (ZF RL-75EC) und die Hinterachse (ZF AV 132/80°) stammen ebenfalls aus dem Hause ZF.

 

Der Innenraum wurde unter besonderer Berücksichtigung der Wartungs- und Reinigungsarbeiten konstruiert. So ist die Fahrgastbestuhlung im Vorderwagen hängend  (Cantilever) an der Seitenwand montiert. Der Kunststofffußboden besteht aus zahlreichen Formteilen und soll eine optimale Reinigung des Innenraumes ermöglichen.

 

Bei der Gestaltung des Innenraumes können Verkehrsbetriebe unter zahlreichen Türvarianten, Sitzanordnungen, Haltestangen und Fahrgastinformationssystemen wählen, um die betriebseigenen Konzepte fortführen zu können. Der Fahrerarbeitsplatz entspricht der aktuellen VDV-Richtlinie. Auch die VDV-Vorgaben bezüglich der Verstellung des Armaturenbretts und der Anordnung der Bedientaster wurde umgesetzt. Der Informationsbildschirm besteht aus einem Farbdisplay und bietet auch die Möglichkeit der On-Board-Diagnose.

 

Das Low-Entry Fahrzeug Citea CLE unterscheidet sich vom CLF durch zwei Stufen hinter der zweiten Tür und einer mittig angeordneten Motor-Getriebe Kombination. Die aufwendigere NF-Portalachse  wird durch eine Hypoidachse ersetzt.

Beide Fahrzeugtypen sind mit einer Klimaanlage von Thermoking und einer Standheizung von Spheros ausgerüstet. Die Fahrzeugdiagnose erfolgt über ein eigenes Diagnosetool von VDL. Handelsübliche Diagnosemittel von Wabco, ZF oder Voith können für einzelne Komponenten genutzt werden.

 

Die Citea-Familie soll in den nächsten Jahren durch Hybridantriebe und Gelenkbusse weitere Varianten erhalten und zum Basisfahrzeug im VDL-Konzern für alle Stadtbusaufgaben in Europa werden.

 

 

Der Motorenhersteller Cummins

 

Ronald Lahn, Servicemeister bei VDL für die Busbetreiber in Deutschland, stellte anschließend den US-Motorenhersteller Cummins vor. Cummins gilt als der weltweit größte Motorenhersteller, der sich nicht im Besitz eines Fahrzeugherstellers befindet.

1919 durch Clessie Cummins und Will Irwin gegründet, baute Cummins 1930 den ersten Dieselmotor in einen PKW ein. 1952 wurde der erste Turbo Diesel vorgestellt und ab 1963 erfolgte die Lieferung von Motoren an den deutschen Fahrzeughersteller Krupp.

Heute beliefert Cummins u.a. VDL, DAF, Renault, Volvo BM, Liebherr und Mack und stellte 2008 über 900.000 Motoren her.

 Lahn berichtete, dass die Cummins-Motoren für die VDL Busse alle mit einem Common Rail-Einspritzsystem von Bosch und einem SCR-Abgasreinigungssystem arbeiten und auch als EEV-Ausführung lieferbar sind. Die Diagnose kann mit der VDL-Software erfolgen.

 

 

Hybridsysteme bei VDL

 

Über aktuelle Aufträge für Istanbul und Enschede berichtete Alex de Jong, VDL-Bereichsleiter „Öffentlicher Verkehr“. Für das BRT-System in Istanbul werden fünfzig Phileas im Werk Valkenswaard gebaut. Der Phileas ist eine „Straßenbahn auf Gummireifen“ und wird von APTS (70% Anteil VDL) gebaut. Die Fahrzeuge haben eine Länge von 26 m und sind als Doppelgelenkfahrzeuge mit Türen auf beiden Seiten ausgeführt. Der Antrieb besteht aus einem Dieselmotor von Cummins und einem Allison-Parallelhybrid mit Supercaps. Alle Räder haben eine Einzelradaufhängung und sind einzeln lenkbar. Dadurch beträgt der Wendekreis des Fahrzeuges nur 12,5 m. Die Karosserie besteht aus einem Faserverbundwerkstoff, der auch in der Luftfahrtindustrie verwendet wird. Das Leergewicht des 26-Meter-Fahrzeuges beträgt 22.500 kg.

 

Der Phileas wird auch in Längen von 18,5 m als Gelenkbus bzw. 24,5 m als Doppelgelenkbus angeboten. Für die Verkehrsbetriebe in Amsterdam und den Regionalverkehr Köln baut VDL derzeit jeweils zwei 18,5-Meter-Seriellhybrid-Phileas mit Brennstoffzellenantrieb und Batterien als Energiespeicher. Gleichzeitig wird ein Hybridkonzept für den Citea mit Vossloh-Kiepe für Enschede realisiert.

Die Fahrzeuge besitzen eine ZF-Portalachse mit Radnabenmotoren sowie ein serielles Hybridsystem mit Supercaps von Vossloh-Kiepe.

 

Den Vorträgen folgte eine lebhafte Diskussion. Besonders der Phileas hatte es den Tagungsteilnehmern angetan und wurde in vielen Einzelheiten erörtert. Aber auch die Linienbusfamilie Citea war Gegenstand zahlreicher Fragen und Erläuterungen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Citea CLF in das Werk nach Heerenveen und besichtigten die Produktion für den Auftrag von 520 Citea-Bussen für Dubai. Die Tagungsteilnehmer bekamen einen Einblick in alle Produktionsschritte und konnten sich einen Eindruck von der Produktionsqualität der Fahrzeuge machen. Nach kurzer Abschlussdiskussion ging’s mit dem Bus wieder zurück nach Haselünne und von dort mit vielen neuen Eindrücken auf die Heimreise.

 

Werner Laber HEAG mobilo GmbH                                    

 

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