Freie Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe e.V.
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Fachtagung bei der HEAG mobilo in Darmstadt und der Fa. Bombadier in

      Mannheim

Mi. 30.9.09- Do. 1.10.09

24 Teilnehmer

 

Fachtagung für Strabmeister.

 

Am 30.09.09 begrüßten Frau Silke Rautenberg (Leiterin der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit bei der HEAG) und Werner Strauch(FVM) 24 Meister aus dem Bereich Schienenfahrzeuge zur Fachtagung für Fahrzeugdiagnose und Antriebstechnik im Hause der HEAG mobilo. Nach einer kurzen Begrüßung stellte Frau Rautenberg kurz das Unternehmen HEAG mobilo vor:

 

Die HEAG mobilo ist einer der führenden Mobilitätsdienstleister in der Region Südhessen und das Leitungsunternehmen der Verkehrssparte im HEAG Konzern.

Zusammen mit seinen Tochtergesellschaften HEAG mobiBus, HEAG mobiServ und HEAG mobiTram engagiert es sich für einen attraktiven und leistungsfähigen Nahverkehr in der Stadt Darmstadt und der Region.

Als Infrastrukturunternehmen schafft es die Grundlagen für Bus- und Bahnverkehr. Es kümmert sich um den Erhalt und Ausbau des Straßenbahnschienennetzes. Mit seiner Verkehrsleitstelle steuert und überwacht es zahlreiche ÖPNV-Linien in Südhessen. Sein dichtes Verkaufsnetz macht es zu einem der wichtigsten Vertriebspartner des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Mit dem stetigen Ausbau von Niederflurstandards, der Erweiterung des Streckennetzes sowie der Umstellung auf Digitalfunktechnik verbessert es die Leistungsfähigkeit und Servicequalität im Nahverkehr, ohne die wirtschaftlichen Belange aus den Augen zu verlieren.

 

Anschließend wurde von Herrn Krassowka(HEAG) das Diagnosesystem MITRAC vorgestellt. Die neu ausgelieferten Fahrzeuge der Fa.Bombadier sind mit der Leittechnik MITRAC ausgerüstet. Das Leittechniksystem MITRAC enthält Software zur Steuerung der Fahrzeug- und Antriebsfunktionen mit allen vorhandenen Untersystemen. Das sind z.B. Bordnetzumformer, Klimaanlagen, Türen usw.

Das Leittechniksystem MITRAC beinhaltet standardmäßig ein Diagnosesystem, welches die relevanten Diagnosedaten erfasst, abspeichert, verwaltet und einer Auswertung zur Verfügung stellt. Das Auslesen der Diagnosedaten erfolgt automatisch über W-Lan, wobei der Kunde frei wählbare Bedingungen auswählen kann. Diese ausgelesenen  Diagnosedaten können mit dem MITRAC-Werkstatt-

programm MAVIS angezeigt und analysiert werden. Dieses Werkstattprogramm MAVIS wurde dahingehend erweitert, dass es auf externe elektronische Dokumente verlinkt und auf diese zugegriffen werden kann. Die Verlinkung basiert auf der Software-Lösung SISTO der Fa. mid Documentation GmbH.

 

Die Firma mid Dokumentation wurde repräsentiert durch ihren Geschäftsführer Herrn Dipl.-Ing. Lorenz Tiedgen, der nach einer kurzen Vorstellung der Fa. mid das Informationssystem SISTO erläuterte.

Die Verknüpfung von Diagnosedaten und interaktiver technischer Dokumentation ist das Ziel der Systemintegration von MAVIS und SISTO.

Der Servicemitarbeiter wählt ein Fahrzeug aus, um sich eine Störungsübersicht, Umfelddaten, den Störungsverlauf, eine Zustandsübersicht, den Zustandsverlauf, sowie Reparaturanweisungen mit dem Diagnosesystem MAVIS anzeigen zu lassen.

Die Störungen können in einer Störungsübersicht für ein Fahrzeug angezeigt und nach verschiedenen Kriterien wie Priorität, Termin und Häufigkeit sortiert werden.

Durch Anklicken auf eine markierte Störung wird eine Reparaturanweisung aufgerufen. In der Reparaturanweisung werden einer Störung alle bekannten möglichen Fehlerursachen zugeordnet. Dabei wird auf andere Bauteile, Elektro- und Logikpläne sowie die beschreibende Technische Dokumentation verwiesen. Der Anwender gelangt über die Verknüpfung der Informationen zwischen dem Diagnose-

System MAVIS uns SISTO direkt in die interaktive Technische Dokumentation.

Diese Vorgehensweise wurde den Meisterkollegen an einem Störungsbespiel präsentiert und mit allgemeiner Begeisterung aufgenommen.

Bei der anschließenden regen Diskussion wurde festgestellt, das sich die Mehrheit der Kollegen für eine Auslieferung neuer Fahrzeuge mit diesem System begeistern würden.

Am Donnerstagmorgen traf man sich dann im Servicewerk der Fa. Bombadier in Mannheim.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Degel (Vertriebsleiter der Fa.Bombadier) stellte Herr Dr.Schwartz die neue Generation der Stromrichterleittechnik für Bahnbetrieb am Beispiel der MITRAC CC DCU2-Drive Control Unit vor. Er erläuterte die Veränderung der Entwicklungsschwerpunkte im Bereich des Schienenfahrzeugantriebs.

 

90er Jahre bis Heute

-Weiterentwicklung der Stromrichtertechnologie vom Thyristor- zum IGBT-

 Stromrichter.

-Weiterentwicklung der Stromrichterregelverfahren.

-Bei Straßenbahnen Einführung der Drehstromtechnik

Aktuell.

-Standardisierung der Fahrzeuge: Plattform Traxx, Flexity 2

-Standardisierung der Stromrichterleittechnik

-Systematische Integration von funktionellen Sicherheitsanforderungen in die  

  Leittechnik (Hardware und Software)

-Überprüfung der Entwicklungsprozesse durch unabhängige Auditoren.

 

Veränderungen am Beispiel MITRAC CC DCU2

Drive Control Unit2

            -Nach ca. 10 Jahren Produktlebensdauer folgt auf DCU1 die neue Generation  

 für Antriebselektronic DCU2

-Die neue Generation deckt erstmals alle Stromrichteranwendungen auf  

 Schienenfahrzeugen ab.

Alle Leistungsbereiche

            -High Power                         (Lokomotiven und Triebköpfe)

            -Medium Power       (U-Bahn, S-Bahn, Regional Commuter Train’s)

            -Low Power              (Straßenbahnen und People Mover)

Alle Umrichtertypen

            -DCU2/M:                  Traktionsstromrichter(incl. Energiespeicher)

            -DCU2/L:                   Netzstromrichter (4QS, StepUp,Stepdown)

            -DCU2/H:                  Hilfsbetriebestromrichter (incl. 2QS)

 

Das Softwarekonzept beinhaltet:

Modulares Konzept d.h. viele gleiche SW-Komponenten für alle Anwendungen.

            -Betriebssystem CSS für Power PC MPC5120

            -Gleiche Basissoftware für den Signalprozessor TMS 320 C167

            -Viele Softwarefunktionen in Bibliotheken

            -Identische Basissoftware(Common SW) für alle Anwendungen z.B.

 Ablaufsteuerung, Leistungsteiltest, I/O-Funktionen.

 

Herr Nordhäußer stellte anschließend mit dem MITRAC TC 550 die neue Generation der Stromrichtergeräte vor und verwies auf die Produktvielfalt aus Mannheim.

-Mehr als 2500 Stromrichtergeräte und mehr als 5000 Baugruppen verkauft.

-Drehstromantrieb ist Standard.

-Aber auch moderne DC-Antriebe für Nachrüstungen verfügbar.

Verschiedene Antriebstopologien.

            -Einzelradantrieb

            -Einzelachsantrieb

            -Drehgestellantrieb

Verschiedene Kühlsysteme.

            -Luftkühlung, forciert

            -Wasserkühlung

Verschiedene Einbausituationen.

            -Dachmontage

            -Unterflurmontage

Mit der MITRAC TC 550 steht eine neue Klasse von Stromrichtergeräten zur Verfügung die folgende Eigenschaften aufweisen:

            -Entwickelt für Flexity2 Systemlösung.

            -Modularer Einsatz; angepasst an Fahrzeugkonfigurationen.

            -Als Standart-Komponenten kurze Lieferzeit.

            -Vorbereitet für den Einsatz des MITRAC-Energiesavers.

            -Reduzierter Platzbedarf.

            -Reduziertes Gewicht.

            -Gegenüber den Vorgängern wurde eine 50% höhere Leistungsdichte erreicht.

 

Bei einer Besichtigung des Reparatur- und Prüfbereichs für Stromrichtereinheiten konnten sich die Meisterkollegen einen Eindruck über die Komplexibität dieser Geräte verschaffen.

 

Abschließend wurde den Meistern der letzte Stand der Entwicklung neuer Energiespeicher vorgestellt. Dieser, bei Bombadier, MITRAC EnergySaver genannter Energiespeicher funktioniert ähnlich wie das KERS-System in der Formel 1.

Dieser MITRAC EnergieSaver speichert Bremsenergie die sonst über Widerstände abgebaut wird und somit als warme Luft verpufft.

Diese Bremsenergie wird beim MITRAC EnergieSaver in mehreren hundert Doppelschichthochleistungskondensatoren gespeichert, die mit der entsprechenden intelligenten Steuerelektronik auf dem Dach des Fahrzeugs montiert sind.

Die Vorteile von Doppelschichtkondensatoren sind:

            -eine Minutenschnelle Ladung und Sekundenschnelle Leistungsabgabe.

            -gegenüber Blei- und NiMh-Batterien bis zu 200fache Ladezyklenfestigkeit und

 eine 10fach höhere Leistung.

-Doppelschichtkondensatoren sind ungefährlich, wartungsfrei und halten nach Aussage der Fa. Bombadier  über  ein Jahrzehnt.

 

Beim Anfahren mit eingeschaltetem EnergieSaver wird deutlich weniger Strom aus der Oberleitung benötigt, da bis zu 50% der Leistung aus dem Energiespeicher kommt. Eine Straßenbahn mit EnergieSaver kann aber auch ohne Strom aus der Oberleitung anfahren und bis auf ca.30Km/h beschleunigen. Auch mehrfaches Anfahren ist möglich. Es können Strecken bis zu 1000 Meter , nach Aussage des Herstellers, ohne Oberleitung zurückgelegt werden. Jede Stadtbahn mit dem EnergieSaver spart bis zu 30% Energie. Dadurch können in einem bestehenden Netz ohne weitere Unterwerke mehr Stadtbahnen fahren. Das spart Betriebskosten und optimiert die Energiebilanz.

Die erste Bahn mit MITRAC EnergieSaver läuft seit einem Jahr bei der MVV zufrieden stellend in der Personenbeförderung. Von der Wirksamkeit dieses Systems konnten sich die Meisterkollegen bei einem abschließenden Besuch des Betriebshofs der RNV in Edingen ein Bild machen.

Dabei wurde demonstriert, dass eine Straßenbahn mehrere hundert Meter ohne Energie aus der Oberleitung zurücklegen kann.

Damit ging eine sehr informative und interessante Fachtagung zu Ende, deren Informationsfülle von den Meisterkollegen sehr positiv bewertet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Klaus-Peter Benner

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