Fachtagung mit der MAN und den Stadtwerken Augsburg in Augsburg.
Datum: Di. 17.02. – Mi. 18.02.2009
Die Stadtwerke Augsburg, das drittgrößte kommunale Versorgungsunternehmen Bayerns, und die MAN luden zu einer Fachtagung unter dem Titel: „innovative Techniken in Stadtbussen“ ein. In Augsburg sind täglich 100 Busse auf 162 Straßenkilometern unterwegs. Die Verkehrsbetriebe waren bis zum Jahr 2000 ein Eigenbetrieb der Stadt und wurden dann in die Stadtwerke Augsburg Verkehrs GmbH überführt. Als eines der ersten Verkehrsunternehmen führten sie Niederflurbusse ein, die mittlerweile einen Großteil der Flotte ausmachen. Mit konsequenter Umstellung auf Erdgas – Antrieb bei ihrer Busflotte vermeiden die Stadtwerke Abgase und vermindern den Kohlendioxyd Ausstoß. Inzwischen fahren fast 90 % der Busse mit Erdgas.
Die MAN Truck & Bus Deutschland GmbH ist hervorgangen aus den bisherigen deutschen Tochtergesellschaften MAN Nutzfahrzeuge Vertrieb GmbH und NEOMAN Bus Vertrieb GmbH. Das Ziel des Zusammenschlusses ist die weitere Steigerung des Kundennutzens durch Bündelung der Verkaufs- und Serviceaktivitäten.
Nach der Vorstellung der Stadtwerke Augsburg und der MAN bildeten dann die Fachvorträge den Rahmen des weiteren Programms.
Alternative Antriebe für Busse.
Für das Verkehrssystem Omnibus sprechen viele gute Argument: Es ist flexibel und zuverlässig, sicher, sauber und leise. Vor allem beim Thema Umweltfreundlichkeit ist der Bus in der Vorreiterrolle. Euro - 4 - Dieselmotore, die die Schadstoffemissionen deutlich reduzieren, sind ein Beispiel dafür. Aber nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte. Eine der größten Herausforderungen ist es, unsere Umwelt von Schadstoffen zu entlasten, die fossilen Brennstoffreserven zu schonen und die Mobilität zu sichern.
Ein MAN Flüssigwasserstoffbus mit Verbrennungsmotor war bereits von 1996 bis 1998 im Erprobungseinsatz in den Städten Erlangen und München. Dabei wird der Wasserstoff für Busse direkt vor Ort erzeugt und in gasförmigen Zustand in die Dachspeicher der Fahrzeuge gefüllt. Heute sind zwei MAN Niederflur Gelenkbusse als Basisfahrzeuge mit dem Wasserstoffmotor H 2876 UH 01 im Einsatz. Viele Bauteile aus dem Serien Erdgasmotor konnten hierbei unverändert übernommen werden. Der Brennraum wurde entsprechend den Anforderungen des Wasserstoffbetriebs ausgelegt und die Zuführung von Wasserstoff in den Ansaugtrakt durch elektronisch angesteuerte Einblasventile realisiert.
Seit Oktober 2004 fährt ein weiteres Fahrzeug aus der MAN Versuchsflotte auf unseren Straßen. Ein Hybrid – Brennstoffzellenbus, ausgerüstet mit einer 68 kW Brennstoffzellen Anlage und einem elektrischen Energiespeicher von 140 kW. Hierbei wird der Wasserstoff mit einem Druck von 350 bar in Behältern auf dem Fahrzeugdach gespeichert. Die Reichweite der Busse beträgt ca. 350 Kilometer.
Nicht unerwähnt blieben bei der Fachtagung natürlich auch die Vorzüge des herkömmlichen Dieselmotors. Über 100 Jahre ist er inzwischen und immer besser in Form. Mit bis zu 45% erreicht er den höchsten Wirkungsgrad aller Verbrennungsmotoren. Und er weist genügend Entwicklungspotenzial auf, um auch künftige ökologische Anforderungen, wie Euro 4 und Euro 5, zu erfüllen.
Die herausragenden Tugenden des Dieselmotors sind seine Genügsamkeit, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Die moderne Motorengeneration hat zudem deutlich an Laufkomfort und Dynamik zugelegt. Mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung sowie moderner Common – Rail – Technik stellt sie hinsichtlich Drehmoment und Leistung die Spitze der Entwicklung dar.
Um die von Euro 4 verlangte drastische Reduzierung der Stickoxid- und Partikelanteile im Abgas zu erreichen, sind innovative, technische Lösungen verlangt. Mit der Kombination von Common – Rail – Dieselmotor, Abgasrückführung und dem von MAN speziell entwickeltem PM – KAT, wird Euro 4 sicher erreicht. Die ab 2009 gültige Euro 5 Norm schreibt eine weitere drastische Verringerung des Stickoxidanteils auf 2,0 g/kWh vor. Aber auch nach Euro 5 geht es weiter. MAN stellte den Meisterkollegen das kombinierte CRT / MAN AdBlue – System vor. Im O – KAT erfolg NO2 Bildung, HC und CO – Oxidation. Im Abscheider werden Partikel gesammelt. Im H – KAT erfolgt die Harnstoffzersetzung in Ammoniak (NH3). Im R.- KAT erfolgt die NOX Reduktion und im O – KAT die NH3 Oxidation.
Hybridtechnologie
Hybrid bedeutet gemischt, also eine Mischung von Antriebssystemen. Das Hauptziel hierbei ist eine Treibstoffeinsparung durch Bremsenergie Rückgewinnung (Rekuperation). Hierbei wird einmal unterschieden nach dem Energiefluss (Serieller Hybrid, Paralleler Hybrid, Leistungsverzweigter Hybrid) und nach der Funktionalität.
Micro Hybrid: Er ist die einfachste Hybridisierung. Z.B. nur Start – Stop, eine eingeschränkte Rekuperation. Ermöglicht kein rein elektrisches Fahren.
Der Mild Hybrid bietet zusätzliche Boost Möglichkeiten. Auch hier ist kein rein elektrisches Fahren möglich.
Beim Full Hybrid ist das rein elektrische Fahren möglich. Er besitzt eine hohe installierte elektrische Leistung.
Geeignete Energiespeicher.
NiMH – Technologie Li – Ionen Technologie
mittlere Leistungsdichte hohe Leistungsdichte
Energiedichte ~90 Wh/kg Energiedichte ~ 110 Wh/kg
mittlere Wirkungsgrade gute Wirkungsgrade
mittlere Zyklusfestigkeit hohe Zyklenfestigkeit
Lebensdauer ca. 4-6 Jahre Lebensdauer ca. 6 – 8 Jahre
hohe Systemkosten hohe Systemkosten
hohe Sicherheit relativ hohe Sicherheit
erprobte Technologie Technologie mit hohem Potenzial
UC – Technologie
hohe Leistungsdichte
geringe Energiedichte
sehr gute Wirkungsgrade
sehr hohe Zyklusfestigkeit
Fahrzeuglebensdauer (Ziel)
niedrigere Systemkosten
hohe Sicherheit
ZEV-Kurzstreckenbetrieb
Foto: Ultracap Speichersystem
Technische Daten des MAN Hybrid - Stadtbus IDEAS 1
Fahrzeug: MAN Niederflurbus Lion’s City A 37
Dieselmotor: MAN Motor D0836, 191 kW mit CRT
Generator: Synchrongenerator 150 kW
Fahrmotoren: Asynchron Fahrmotoren 2 x 75 kW
Speichersystem: Ultracap – Hochleistungsspeicher 200 kW – 0,4 kWh
Wechselrichter: Pulswechselrichter in IGBT – Technik.
Fahrzeugbeschreibung:
Der optimierte Ultracap-Bus mit diesel-elektrischem Antrieb und Hochleistungsspeicher
stellt einen seriellen Hybridantrieb dar. Als Speicherelemente werden sog.
Ultracaps verwendet und auf der Dachfläche des Busses montiert. Alle übrigen
Antriebsstrangkomponenten sind im Bodenbereich (Heck- und Podestbereich) des
Busses angeordnet. Ein permanent erregter Synchron-Generator wird über ein Anpassgetriebe an den Dieselmotor angeflanscht. Der Generator versorgt zwei Asynchronmaschinen, die
über ein Summiergetriebe miteinander verbunden sind, mit elektrischem Strom. Die
Momentenübertragung zur Hinterachse erfolgt über eine Gelenkwelle.
Die Antriebsleistung für die Fahrmotoren kann vom Dieselmotor über den Generator
oder vom Energiespeicher bereitgestellt werden. Speziell beim Anfahren wird die
Antriebsleistung zunächst dem Energiespeicher entnommen. Dies hat den Vorteil,
dass der Bus rein elektrisch betrieben den Haltebereich verlassen kann und der
Dieselmotor erst danach gestartet wird. Dadurch werden Anfahrgeräusche und
Emissionen im Haltebereich deutlich reduziert.
Während der Fahrt kann der Dieselmotor abweichend von der benötigten
Antriebsleistung mehr oder weniger Leistung liefern, indem der Energiespeicher als
Puffer verwendet wird. Dadurch ist es möglich, den Dieselmotor in seinen optimalen Betriebspunkten zu betreiben, wodurch wiederum eine Reduzierung des Verbrauchs und der Emissionen möglich ist.
Beim Bremsen wird über das Bremspedal zunächst die elektrische Bremse mit bis zu
150 kW angesteuert. Das reicht für Bremsungen im normalen Fahrgastverkehr aus.
Nur in kritischen Situationen muss das Bremspedal stärker ausgelenkt werden, damit
zusätzlich die mechanischen Bremsen aktiviert werden. Bei der elektrischen
Bremsung arbeiten die Fahrmotoren als Generatoren und die so zurück gewonnene
Bremsenergie wird im Energiespeicher für den nächsten Anfahrvorgang
zwischengespeichert.
Mit dem Wissen, dass durch dieses Forschungsprojekt versucht wird durch weitere Optimierungsmaßnahmen diese Technologien mittelfristig für Stadtbusse attraktiv zu machen und das aus ökologischer und ökonomischer Sicht, verabschiedeten die Vorstandskollegen der FVM Werner Strauch und Manfred Fischer die teilnehmenden Meisterkollegen und wünschten Ihnen eine sichere und gute Heimfahrt. Ein ganz besonderer Dank galt auch den Referenten der MAN und den Organisatoren der Stadtwerke Augsburg.
