Fachtagung der freien Vereinigung der Meister öffentlicher Verkehrsbetriebe bei der Bogestra mit der Firma Stadler

 

Als Stadler ankündigte für die Bogestra Straßenbahnen des Typs „Variobahn“ und Stadtbahnwagen des Typs „Tango“ zu bauen, weckte gerade das die Neugier bei den Fachleuten. Wie werden die neuen Fahrzeuge aussehen? Welche technischen Neuerungen bzw. Verbesserungen weisen die Fahrzeuge auf? Wie ist das Fahrverhalten der Fahrzeuge? Welche Anforderungen werden an die Instandhaltung gestellt? Die Antworten auf die Fragen erhofften sich 23 Teilnehmer der Fachtagung am 24.06.2008 bei der Bogestra auf dem Standort „Engelsburg“ in Bochum.

 

Die Fachtagung, die unter dem Thema „Neue Fahrzeugfamilie Variobahn und Tango“ stand, eröffnete Helmut Palmen, Vorsitzender der FVM, und Dipl. Ing. Jörg Filter, Leiter Fachbereich Infrastruktur und Projektverantwortlicher Beschaffung Schienenfahrzeuge bei der Bogestra.

 

„Tango“

Zuerst ging es per Bustransfer zum Betriebshof „Riemke“ zum Stadtbahnfahrzeug „Tango“. Dort gab es die Möglichkeit das Fahrzeug komplett zu besichtigen, also auch die Dachaufbauten und die Komponenten unter dem Fahrzeug zu begutachten. Insgesamt machte alles einen gut aufgeräumten und zweckmäßigen Eindruck.

Beim „Tango“ handelt es sich um ein Zweirichtungsfahrzeug mit 100% Hochfluranteil und klassischen Drehgestelle. Der Rohbau besteht aus nichtrostendem Edelstahl, der Wagenkasten aus hochlegiertem Stahl. Der Fahrerarbeitsplatz ist sehr übersichtlich und ergonomisch gestaltet. Das traktionsfähige Fahrzeug zeichnet sich außerdem durch einen hellen, freundlichen Innenraum aus, dessen Zugangsmöglichkeiten behindertenfreundlich hergestellt wurden. Nach der Besichtigung gab es die Möglichkeit an einer Probefahrt teilzunehmen um sich selbst über das Fahrverhalten des Fahrzeugs ein Bild zu machen. Hier zeigte sich, dass das Fahrzeug laufruhig war.

 

Geplant ist der Einsatz des „Tangos“ auf der Strecke U35 um den bisherigen engen Fahrzeugbestand von 25 auf 31 Bahnen aufzustocken. Dadurch können in Zukunft auch die Zeiten in denen die U35 im 5 – Minuten – Takt verkehrt in Doppeltraktion angeboten werden, was die Verbindung zwischen Schloss Strünkede bis Uni Bochum komfortabler und attraktiver macht.

 

Stadler

Nach der Rückfahrt zur „Engelsburg“ folgten dann von Dipl. Ing. Ulf Braker, Projektleiter bei Stadler Pankow für Tango und Variobahn Bochum, Fachvorträge die folgende Themen hatten:

·         Vorstellung der Firmengruppe Stadler und Fa. Stadler Pankow

·         Vorstellung der beiden Fahrzeugtypen mit ihren technischen Kenndaten

·         Mögliche Variationen

·         Synergien über das Antriebs- und Ersatzteilkonzept

 

Die Stadler Pankow GmbH in Berlin wurde im Jahre 2000 als Joint Venture mit Adtranz gegründet. Im Juni 2001 hat die Stadler Rail AG sämtliche Gesellschaftsanteile der Stadler Pankow GmbH übernommen.
Der Standort Pankow ist verantwortlich für die Bearbeitung des deutschen Marktes. Im Herbst 2002 wurde das Werk durch das Servicezentrum Velten für die Inbetriebnahme und die Modernisierung von Schienenfahrzeugen ergänzt.
Die Stadler Pankow GmbH ist das Kompetenzzentrum für den Dieseltrieb-wagen Regio-Shuttle und die Strassenbahnen (Variobahn und Tango). Ebenfalls wird Stadler's Flinker Leichter Innovativer Regional Triebzug FLIRT seit Herbst 2004 auch in Pankow gebaut.

 

In der Diskussion, die im Anschluss an die Frachtvorträge folgte, wurde unter anderem auch die Klebetechnik im Schienenfahrzeugbau angesprochen. Anlass waren Erfahrungen von Kollegen aus verschiedenen Verkehrsunternehmen die mit „geklebten“ Fahrzeugen zu tun haben. Hier wird die Zukunft zeigen, ob die Klebetechnik im Fahrzeugbau weiter eingesetzt wird.

 

Das Tagungsprogramm sah jetzt die Besichtigung der „Variobahn vor.

 

„Variobahn“

Bei der „Variobahn“ handelt es sich um ein Zweirichtungsfahrzeug mit einem Fußbodenniveau konstant 100%  Niederflur. Der Rohbau besteht aus hochlegiertem Stahl. Die Außenverkleidung wurde durch Klebetechnologie realisiert. Bezeichnend für dieses Fahrzeug ist der modulare Aufbau nach Hauptfunktionen (Kopfmodul, Triebfahrwerkmodul, Fahrgastmodul, Laufwerkmodul). Anders als beim Tango ist die „Variobahn“ voll klimatisiert und mit Videoschutzausrüstungen ausgestattet.  Hinter einer geschlossenen Fahrzeugfront befindet sich die Albert – Kupplung die mittels Schleppkabel Zugverbände ermöglicht.

 

30 Fahrzeuge, plus Option auf weitere 15, hat die Bogestra bestellt um sie zunächst auf der Linie 301 einzusetzen. Ab 2010 ist geplant die neuen Fahrzeuge auf der bis dahin beschleunigten Strecke der Linie 306 laufen zu lassen. Die Option für weiter 15 Fahrzeuge hält sich die Bogestra, gemeinsam mit den Städten Bochum und Witten, um die geplante niederflurgerechte Verlängerung der Strecke 310 zwischen Bochum und Witten zu bedienen.

 

Beide Fahrzeuge zeigen durch ihr Design im Außen- und  im Innenbereich, dass es moderne Fahrzeuge sind, angepasst an die bestehende Infrastruktur. Gerade der Fahrerarbeitsplatz beider Fahrzeuge zeugt von einer Entwicklung, bei der die Berufsgenossenschaft und die Fahrer mit einbezogen wurden. Man legte Wert auf die offene Gestaltung der Fahrerkabine um den persönlichen Kundenkontakt, und bei der „Variobahn“ den Ticketverkauf auf Kundenwunsch, aufrecht zu erhalten. Auf Fahrscheinautomaten in den Fahrzeugen wird verzichtet.

 

Die Ersatzteilhaltung und die Instandsetzung beider Fahrzeuge wurde durch baugleiche Teile erleichtert. So sind Module des Stromrichters trotz unterschiedlicher Ausführung und Anzahl der Antriebsmotoren gleich. Lediglich die Software wird angepasst. Baugleich sind auch die Leittechnik, der Stromabnehmer, die Klapprampen, die Türen, die Verkleidungen und die Innenausstattung. Bemerkenswert ist, dass beide Fahrzeuge mit schnell wechselnden Fenstersystemen ausgestattet sind, wodurch lange Standzeiten durch das wechseln geklebter Scheiben entfallen.

 

Insgesamt gesehen war dies eine Fachtagung deren Besuch sich wegen der beiden Hauptakteure – Tango und Variobahn – gelohnt hat.  Lohnenswert ebenfalls der Erfahrungsaustausch und die Diskussionen unter den Kollegen und der Firma Stadler. Ein Dank geht an die Bogestra, die diese Fachtagung ermöglichte.