Fachtagung bei der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt SLV in Duisburg

 

 

Deutsche und Europäischen Normen und Gesetze, die zum Beispiel auch die Herstellung und Instandhaltung von Fahrzeugen für den ÖPNV regeln, erfordern immer mehr geschultes Fachpersonal. Gerade das Schweißen an Fahrzeugen ist ein Arbeitsgebiet geworden, das teilweise nur durch besonders ausgebildete Mitarbeiter durchgeführt werden darf. Hier bietet die SLV, eine Niederlassung der Gesellschaft für Schweißtechnik International mbH (GSI) und Mitglied im Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS), ein umfassendes Ausbildungsprogramm an.

 

Wie der Name schon sagt, ist die SLV nicht nur eine Lehranstalt sondern auch eine Versuchsanstalt, die sich insbesondere der Forschung und Entwicklung von Schweißverfahren und der Werkstoffkunde widmet. Interessanter Stoff für eine Fachtagung für Meister der Fahrzeuginstandhaltung.

 

So folgten 20 Meister aus ganz Deutschland der SLV Einladung und machten sich am 19. August  2008 auf den Weg nach Duisburg. Nach der Eröffnung der Fachtagung durch Werner Strauch (FVM) gab es eine kurze Vorstellung der SLV. Das Tagungsprogramm sah dann den ersten Vortrag vor, den Herr Neuhoff präsentierte. Er erläuterte die Angebote der GSI/SLV bezüglich der Aus- und Weiterbildung  in der Schweiß- und Klebetechnik und ging in seiner Präsentation kurz auf die einzelnen Lehrgangsangebote ein.

 

Standartlehrgänge – Folgende Qualifikationen werden angeboten:

Schweißfachingenieur, Schweißtechniker, Schweißfachmann, Schweißgüteprüfpersonal, Schweißaufsichtspersonal für das Schweißen von Aluminium, Schweißaufsichtspersonal für das Schweißen von Betonstählen, Schweißkonstrukteur, Schweißwerkmeister, Schweißfachmann für das Widerstandsschweißen, Widerstandsschweißer – Einrichter, Laserstrahlfachkraft und Fachmann für das Kunststoffschweißen.

 

Kleben – Durch die Klebelehrgänge qualifiziert man sich zur Klebefachkraft und zum Klebepraktiker. Aufgebaut auf die Grundlagen der Klebetechnik wird in diesen Lehrgängen auch das Kleben im Schienenfahrzeugbau nach DIN 6701 vermittelt.

 

Werkstoffprüfung – Durchstrahlungsprüfung, Ultraschallprüfung, Eindringprüfung, Magnetpulverprüfung, Sichtprüfung und Metallographie sind die Prüfverfahren zu denen bei der SLV fachliches Wissen erlangt wird.

 

 Korrosionsschutz / Oberflächentechnik – Angeboten wird die Vorbereitung auf die Prüfung zum weltweit anerkannten Beschichtungsinspektor sowie die Ausbildung zum Führungspersonal für Korrosionsschutzarbeiten nach ZTV-KOR, zum Spritzfachmann und zum thermischen Spritzer.

 

Das ist nur ein Auszug aus dem Aus- und Weiterbildungsprogramm der SLV. Das gesamte Veranstaltungsprogramm kann bei der SLV angefordert werden. Es bleibt zu diesem Thema noch der Hinweis, dass die SLV zum erlangen des Schweißfachingenieur/- techniker einen Fernlehrgang anbietet, auch eLearning genannt.

 

Dass die SLV auch eine Versuchsanstalt ist zeigten die weiteren Vorträge. Herr Franz Gesthuysen erläuterte, unter dem Hauptpunkt „Forschung und Entwicklung“, einige aktuelle schweißtechnische Fügeverfahren im Fahrzeugbau. Unter anderem ging es um Impulsstromquellen, den CMT (Cold Metal Transfer) Prozess und den ColdArc – Prozess. Der Vorteil dieser Verfahren besteht im herabsetzen der thermischen Belastung des Grundwerkstoffs.

 

Bei der Impulsstromquelle wird das durch das einfügen einer negativen Grundstromzeit erreicht. Dieses neuartige Stromprofil ermöglicht eine hervorragende Spaltüberbrückung und die präzise Abstimmung auf die Schweißergebnisse. In der positiven Grundphase wird der Werkstoff gereinigt (Oxydschicht gebrochen). Wärme wird gezielt in den Grundwerkstoff eingebracht. In der Pulsphase erfolgt die Tropfenablösung, d.h., der Tropfen wird spritzerfrei vom Draht gelöst. In der negativen Grundphase (Tropfenbildung) umgreift der Lichtbogen das Drahtende. So wird gezielt Wärme in den Draht geleitet und das Schmelzbad kühlt ab. Beim CMT Prozess wird erstmals die Drahtbewegung direkt in die Prozessregelung mit eingebunden. Kurz gesagt: Während beim konventionellen Kurzlichtbogen  der Strom die Tropfenablöse bewirkt und dadurch der Werkstoffübergang einem hohen Stromfluss ausgesetzt wird, unterstützt  beim CMT Prozess die Rückbewegung des Drahtes die Tropfenablöse, so dass der Werkstoffübergang nahezu stromlos ist.

Das ColdArc Verfahren besteht aus einem digital kontrollierten wärmeminimiertem Kurzlichtbogen. Bei diesem modifizierten Kurzlichtbogen wird der Werkstoffübergang derart kontrolliert, dass die Leistungsspitze beim Wiederzünden des Lichtbogens drastisch vermindert wird. Die Folge davon ist ein wärmeminimierter Fügeprozess der einen fast spritzfreien Schweißprozess unter geringem Materialverzug ermöglicht.

 

Im dritten Vortrag von Herrn Ippendorf ging es um die Werkstofftechnik, insbesondere um die neue EN 10025. So gibt es in der neuen EN 10025 nur noch 14 Stahlgüten und nicht mehr 20 nach der alten EN 10025. Außerdem wurde die neue Stahlsorte S450JO aufgenommen. Hieran erkennt man schon, dass auch die Stahlsorten neu bezeichnet wurden. Herr Ippendorf empfahl, dass bei künftigen Bestellungen die neuen Bezeichnungen angegeben werden sollten um Verwechselungen zu vermeiden. Wichtig für den Instandhalter ist, dass er sich vergewissert welche Stahlsorte er für den Fahrzeugbau nehmen darf, ob er diese Stahlsorte auch bekommen hat und wie diese Stahlsorte verarbeitet werden sollte.

 

Der vierte und letzte Vortrag beschäftigte sich dann mit der Qualitätssicherung. Herr Hans erklärte die DIN EN 15085 als europäisch harmonisierte Norm für das Schweißen von Schienenfahrzeugen  und –fahrzeugteilen. Insbesondere erläuterte er die technischen Anforderungen, das Zertifizierungsverfahren und die Gültigkeit der DIN EN 15085. Seine Darlegungen beinhalteten auch die Qualitätssicherung beim Korrosionsschutz unter Einbeziehung der hierzu vorgesehenen Normen.

 

Nach den Vorträgen schloss sich dann am Nachmittag die Besichtigung der SLV am Standort Duisburg an. Es wurde uns anhand einer Materialprobe die Wirkungsweise des Rasterelektronenmikroskopes  erklärt und darauf hingewiesen, dass Die SLV im Auftrag solche Proben untersucht und Gutachten erstellt. Weiter wurden uns verschiedene Arten des thermischen Spritzens und das Laserstrahlschneiden gezeigt. Durch eine Demonstration wurde uns das Thema „Zerstörende Werkstoffprüfung „ nahegebracht. Mittels eines Zugversuchs wurde ein dickes Stück Stahl „zerrissen“. Letzte Station des Rundgangs war das Mikrofügen. Selbst kleinste Teile lassen sich durch verschiedene Verfahren zusammenfügen.

 

Es war eine sehr lehrreiche Tagung die gezeigt hat, dass es sich durchaus lohnt einmal bei der SLV in Duisburg vorbeizuschauen um sich über das Angebots- und Leistungsspektrum dieser Einrichtung zu informieren.