Fachtagung mit der Firma Hübner in Kassel
Herr Heuser (Vertriebsleiter der Sparte Polyurethan und Gummi der HÜBNER GmbH) und Werner Strauch (FVM) begrüßten 31 Meister aus den Sparten Schiene und Straße zur Fachtagung bei der Firma Hübner in Kassel.
1946 wurde die Gesellschaft durch Kurt und Anni Hübner gegründet um Gummistiefel zu reparieren. Heute ist Hübner als Zulieferer von Komponenten für die Fahrzeugbauer und die Betreiber von Fahrzeugen des Personenverkehrs ein wichtiger Partner geworden. Nicht nur alleine in Deutschland sondern Weltweit. Das stellte Herr Heuser bei der Vorstellung des Unternehmens anhand von aktuellen Zahlen dar. Im Jahre 2007 machte das Unternehmen in den Sparten Schiene, Straße, Fenster und Türen, Polyurethan und Gummi, Kunststoff und Public Security Weltweit mit 1605 Mitarbeitern einen Umsatz von 219 Millionen Euro. Des weiteren zeigte Herr Heuser, dass sich Hübner nicht nur in der Schienen und Busbranche engagiert sondern ihre Kompetenz auch in der Flughafentechnik, Automotive, Nutzfahrzeuge, Medizintechnik und Freizeit &Sport einbringen.
Nach der Vorstellung des Unternehmens bildeten dann einzelne Fachvorträge den Rahmen des Vormittagprogramms auf die ich anschließend kurz eingehen möchte.
Dr. Stefanie Böge: Flexible Gelenksysteme zur Erhöhung der Transportkapazität
Hier ging es um den Bus als Transportmittel der Zukunft. Demografische Erhebungen zeigen, dass die Bevölkerung in Deutschland und Europa rückgängig ist. Anders in Latein Amerika und Asien in denen ein rasantes Bevölkerungswachstum vor sich geht und sogenannte „Megastädte“ entstehen. Der Kostendruck auf die Verkehrsunternehmen, was die Anschaffung und die Betriebskosten von Fahrzeugen betrifft, ist allerdings weltweit gleich. Man müsste deshalb ein Bussystem entwickeln, dass kostengünstig und attraktiv ist, und große Kapazitäten befördern könnte, in Deutschland und Europa allerdings flexibel auf Nachfrageveränderungen reagieren könnte. Verschiedene Fahrzeughersteller versuchen dieser Herausforderung mit Großraumbussen oder Bussen mit Anhängern entgegen zu treten. Durchaus haben diese Systeme Vorteile, beinhalten aber auch Faktoren, die bei der Anschaffung berücksichtigt werden müssen. Die Zukunftsvision der Firma Hübner ist, ein koppelbares Gelenksystem zu entwickeln, mit dem zweiachsige Fahrzeugmodule miteinander verbunden werden um durch eine Art Baukastensystem flexible Transportkapazitäten zu erreichen. Sicher eine interessante Zukunftsalternative.
Axel Behnke: Wartung, Reparatur & Refurbishment an Übergängen für Straßenbahnen
Übergänge mit Faltenbälgen haben das Problem, dass sie irgendwann undicht werden, Risse aufweisen, Nähte aufgehen oder der Aluminiumbalgrahmen bricht. Die Lebensdauer eines Überganges wird mit 10 bis 15 Jahren angegeben. Verschiedene äußere Einflüsse, wie Alterung der Gummierung, UV Licht, Schmutz und chemische Gase (Schwefel), spielen für die Haltbarkeit eine wichtige Rolle. Deshalb sollten Übergänge regelmäßig gereinigt werden. Für die verschiedenen Schadensbilder die auftreten können, und deren Reparatur stellt Hübner verschiedene Hilfsmittel und Anleitungen zur Verfügung. So können Risse geflickt, Nähte versiegelt und Brüche des Aluminiumbalgrahmen durch ein Übersetzprofil repariert werden.
Dipl. Ing. Uwe Krug: Schnellwechselfähige, gummigefasste Fenstersysteme
Hohe Standzeiten und die damit entstehenden Kosten die beim Wechseln von geklebten Scheiben auftreten sind für Nahverkehrsunternehmen nicht von Vorteil. Bei Hübner hat man sich deshalb Gedanken gemacht, wie man hohe Standzeiten vermeiden kann. Man hat einen Rahmen entwickelt, der anstelle der geklebten Scheibe eingeklebt wird. In diesen Rahmen zieht man dann, wie früher, die in gummigefasste Scheibe ein. Es entstehen keine Trocknungszeiten und ein besonders klimatisierter Raum ist auch nicht mehr erforderlich. Diese Fenstersystem ist einsetzbar bei Neufahrzeugen und zum nachträglichen umrüsten von Fahrzeugen.
Es ist eine Alternative die schon in verschiedenen Verkehrsbetrieben eingesetzt wird.
Dipl. Ing. Ralf Waibel: Restspalterkennung an Tür Fingerschutzprofilen
Die Einstiegsüberwachung mittels Fingerschutzprofil ist längst schon Standard in Schienenfahrzeugen. Fingerschutzleisten der alten Technik arbeiten mit pneumatischer Druckwelle. Moderne Systeme arbeiten mit einem Gummifingerschutzprofil in dem eine elektrische Schaltleiste eingebettet ist. Der Vorteil hierbei ist eine sensiblere Schaltleiste die auch bei schmalen Gegenständen wie einem Kinderwagenrad, einem Kinderfuß oder einer Hundeleine anspricht. Hübner gibt an, dass bis zu einer Wandstärke von 5mm die Tür anschließend reversiert. Sollte sich ein Verkehrsbetrieb zur Umrüstung auf die sensiblen Schaltleisten entschließen, bietet die Firma Hübner ein Fahrzeug Modernisierungsprogramm an. Die Modernisierung geschieht in Eigenregie der Verkehrsbetriebe. Hübner bietet dazu Engineering vor Ort am Fahrzeug. Anhand vorhandener Stücklisten bzw. an der Tramtür erfolgt die individuelle Ausarbeitung z.B. der passenden Fingerschutzprofilgeometrie sowie „Unterweisung“ in Montage der Profile und Anbindung der Auswerteeinheit an die vorhandene Türsteuerung.
In einer weiteren Präsentation wurde durch Dipl. Ing. Michael Herzfeldt ein Überblick über die Serviceorganisation der Hübner GmbH gegeben. Nach der Vorstellung der Service Organisation wurde das Leistungsangebot auf diesem Gebiet aufgezeigt.
Den Abschluss der Fachtagung bildete dann die Besichtigung der Produktionsstätten und eine Diskussion, in der auch kritische Punkte angesprochen wurden. Alles in allem eine aufschlussreiche Fachtagung für beide Seiten.
