05. Gesamttagung bei der Bremer Straßenbahn AG
25.04. - 26.04.2008
Teilnehmer: 76 Kollegen
Zur diesjährigen Gesamttagung trafen sich die Meisterkollegen bei der Bremer Straßenbahn AG. Nach der Eröffnung der Tagung durch Werner Strauch, in der Hauptwerkstatt des BSAG-Zentrums, warteten eine Menge Informationen über den einladenden Verkehrsbetrieb auf die Teilnehmer. Im Namen der Geschäftsführung begrüßte Herr Axel Hatesaul die Teilnehmer und gab ihnen einen kurzen Überblick über den geplanten Tagungsverlauf, bevor Herr Wurst vom Verein „Freunde der Bremer Straßenbahn e.V.“ mit seinen Fachvortrag zur Geschichte der BSAG begann.
Geschichte der Bremer Straßenbahn AG
Am 18. März 1876 wurde die „Aktiengesellschaft Bremer Pferdebahn“ gegründet, welche kurz darauf eine erste Pferdebahnstrecke vom Herdentor bis zur Vahrster Brücke eröffnete. Das Konkurrenzunternehmen „Große Bremer Pferdebahn“ eröffnete am 03. November 1879 eine Linie von Hastedt nach Walle, die in den Grundzügen noch heute als Linie 2 unterwegs ist. Beide Gesellschaften bauten in den folgenden Jahren ihr Liniennetz aus. Es entstanden Linien in den Freihafen, zum Hohentor und zum Arsterdamm.
Im Jahre 1890 wurde anlässlich der Nordwestdeutschen Gewebe- und Industrieausstellung im Bremer Bürgerpark die Strecke von der Börse zum Ausstellungsgelände versuchsweise elektrifiziert. Diese Anlage, die erste in Deutschland errichtete Linie mit Oberleitung, wurde zwar nach dem Ausstellungsende wieder abgebaut, das System hatte sich aber so gut bewährt, dass die Umstellung des Netzes auf elektrischen Betrieb beschlossen und ab 1892 auch durchgeführt wurde. Nachdem die Große Bremer Pferdebahn 1899 schließlich von der 1890 in Bremer Straßenbahn umbenannten ehemaligen Bremer Pferdebahn übernommen wurde, konnte 1913 die Umstellung auf elektrischen Betrieb abgeschlossen werden.
In der Folge fanden weitere Streckenverlängerungen und Neubauten statt. Durch die Einführung von Liniennummern 1908 wurde dem Fahrgast die Orientierung erleichtert. Der erste Weltkrieg und die Inflationsjahre bremsten den Ausbau des Netzes. Für den Omnibusbetrieb gründete die Bremer Straßenbahn das Tochterunternehmen „Bremer Vorortbahn Gesellschaft“, welches ab 1924 den Omnibusbetrieb auf Außenlinien durchführte. Im Jahre 1939 bestand das Straßenbahnnetz aus 13 Linien.
Im zweiten Weltkrieg kam es zu schweren Schäden an Gleisen, Fahrleitungen, Gebäuden und Fahrzeugen. Im April 1945 musste der Betrieb eingestellt werden. Obwohl bei Kriegsende 90% der Fahrzeuge und 80% der Fahrleitung zerstört waren, konnten bereits im Juni 1945 wieder erste Straßenbahnen fahren. Da alle Weserbrücken zerstört waren, gab es bis Juni 1947 nur ein zweigeteiltes Netz. In den Jahren danach konnte bis auf die Linie 15 das Vorkriegsnetz wieder hergestellt werden. Im Jahre 1953 übernahm die BSAG den Busverkehr von der BVG. Die neue Hauptwerkstatt am Flughafendamm konnte 1959 fertig gestellt werden, die Verwaltung zog 1963 ebenfalls dort hin. Die Hauptumsteigestelle wurde 1965 vom Markt zur Domheide verlegt und gleichzeitig mit der Wiedereröffnung der Linie 4 das gesamte Liniennetz neu geordnet.
Da nach dem Krieg neue Wohnviertel in Stadtrandlage entstanden wurden Verlängerungen der bestehenden Straßenbahnlinien in die neuen Wohngebiete notwendig und wurden auch schrittweise verwirklicht. Nachdem Anfang der 60er Jahre noch die Busse als flexiblere Verkehrsmittel galten, setzte ab Mitte der 60er Jahre in Bremen ein Umdenken zugunsten des ÖPNV´s ein. Bei der anerkannt hohen Leistungsfähigkeit der Straßenbahn im Bereich der Massenbeförderung als Alternative zum Omnibus hatte der Gedanke an eine Verlängerung der vorhandenen Gleisspinne natürlich nahe gelegen.
In den 90er Jahren standen die alten Kurzgelenkwagen zum Ersatz an. Nachdem die BSAG bereits im Busbereich Niederflurfahrzeuge beschafft hatte, sollten auch künftige Straßenbahnen niederflurige Einstiege bieten. So wurde im Jahr 1990 von der BSAG ein Prototyp vorgestellt. Dieser dreiteilige, sechsachsige Gelenktriebwagen vom Typ GT8N war der erste Straßenbahntriebwagen, der ein komplett niederflurigen Wagenboden bot. Nach dem Prototyp wurden in den Jahren 1993 bis 1996 von der Firma AEG 78 Niederflurfahrzeuge vom Typ GT8N beschafft.
Zum Ende des ersten Tages konnten sich die Tagungsteilnehmer bei einer Fahrt zur Innenstadt mit dem Triebwagen 445 und Beiwagen 1458 (Baujahr 1967) davon überzeugen, das auch die alte Straßenbahntechnik durchaus ihren Scharm hatte.
Reibungslose Mobilität für Bremen und Umgebung
Vor der Präsentation der Bremer Straßenbahn AG, durch den Arbeitsdirektor Herr Hünig und den Centerleiter Herr Spanjer, wurde Ulrich Michallik für seine langjährige Arbeit in der Vereinigung, insbesondere als Sprecher der BSAG, durch den Vorstand der FVM mit einem kleinen Geschenk geehrt.
Die Bremer Straßenbahn AG als größtes ÖPNV-Unternehmen innerhalb des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen sorgt tagtäglich mit modernen Straßenbahnen und Bussen für reibungslose Mobilität. Pünktlichkeit, Sicherheit, hohe Qualität und zeitgemäßer Service werden bei der Bewältigung dieser wichtigen Aufgabe groß geschrieben. 2.036 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BSAG sorgen dafür, dass tagtäglich ca. 266.000 Menschen bequem, pünktlich und sicher in Bremen befördert werden. Dafür stehen dem Unternehmen 121 Straßenbahnen für acht Straßenbahnlinien und 221 Busse für 44 Buslinien zur Verfügung. Hinter dieser Leistung stehen knapp 22 Millionen Nutzwagenkilometer.
Mit 97,2 Millionen Fahrgästen wurde der seit 1998 anhaltende Trend steigender Nachfrage fast ungebrochen fortgesetzt. Im Ergebnis konnte der Verlustausgleich wiederum um 6,3 Millionen Euro auf 65,2 Millionen Euro gesenkt werden. Das entspricht einer Ergebnisverbesserung von 8,7%. Dieses Ergebnis wurde erreicht, weil neben der Annahme des attraktiven Angebotes auf Straße und Schiene die Produktivität im Unternehmen deutlich gesteigert werden konnte. Dahinter stehen organisatorische und personalpolitische Maßnahmen. Die BSAG wird diesen Weg entsprechend dem neuen Kontrakt mit der Stadtgemeinde und den Tarifpartnern und einem umfassenden Restrukturierungskonzept weitergehen und sich offensiv dem Wettbewerb in den kommenden Jahren stellen.
Nachdem der Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs im Jahr 2005 beschlossen wurde, kann die Verlängerung der Linien aus dem Zielnetz 2010 nun zügig erfolgen. Etliche befinden sich bereits in der konkreten Planung. Die neue Strecke der Linie 3 im alten Hafengebiet wurde bereits Ende 2006 eingeweiht. Mit dieser 1,9 Kilometer langen Neubaustrecke haben die Bremerinnen und Bremer besten Anschluss an einen sich rasant entwickelnden Wirtschaftsstandort. In nicht allzu ferner Zukunft sollen in der Überseestadt 10.000 Menschen ihren Arbeitsplatz haben – und die BSAG sorgt schon jetzt für eine schnelle, bequeme Verbindung in die City. Auf den Straßenbahnlinien 1 und 6 fährt die neueste Generation von Niederflurfahrzeugen, die viel Platz für die Passagiere und ein angenehmes Klima bieten.
Auch für ihre Bus-Kunden hat die BSAG Neues im Angebot. Die Flotte wurde um neun besonders abgasarme Niederflur-Gelenkbusse der Firma Solaris erweitert, die die künftigen strengen Emissions-Richtlinien der EU schon jetzt erfüllen. In 2008 kommen 40 weitere Busse mit diesem Umweltstandard zum Einsatz. Dies stellt einen gewichtigen Beitrag zur Beschränkung der Feinstaubemissionen dar.
Beim Thema Service konnte die BSAG ebenfalls punkten. Der neue Jahresfahrplan für Bremen macht die Nutzung von Bahnen und Bussen noch einfacher. Die in Bremen-Nord erfolgreich eingeführten Kunden-Garantien werden auf die gesamte Stadt und das VBN-Gebiet ausgedehnt, mit dem Ziel neue Kunden für den ÖPNV zu gewinnen. Bereits mehr als 25.000 Kunden haben sich für „Das KontoTicket“ entschieden, mit dem gerade für diejenigen, die selten oder nur gelegentlich Bus und Bahn nutzen, neue Anreize geschaffen werden.
Die BSAG bietet mit ihren Bahnen und Bussen nicht nur umweltfreundliche Mobilität, sie ist darüber hinaus ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen mit hohen Ansprüchen an den Umweltschutz. Nachhaltigkeit bedeutet, den Ausgleich zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung aktiv herzustellen und ihn in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens zu berücksichtigen. Zu dieser Politik des umweltfreundlichen ÖPNV passt auch die Unterzeichnung der UITP-Nachhaltigkeits-Charta für das Unternehmen im November 2006.
Im Anschluss an diese Präsentation wurden die anwesenden Meisterkollegen zur Besichtigung in die Fachgruppen KOM, STRAB sowie Infrastruktur aufgeteilt.
Betriebsbesichtigung im BSAG-Zentrum
Die Teilnehmer aus dem Strab-Bereich konnten neben einer Fahrt mit dem neuen GT8N-1 auf dem Betriebsgelände auch die Strab-Servicewerkstatt mit Druckmessstand, Radlasteinstellung und Getriebebau besichtigen. In der Strab-Betriebswerkstatt konnte neben dem Vergleich der alten und neuen Technik von GT8N und GT8N-1 auch die Radsatzbearbeitungsmaschine besichtigt werden.
Neben der Besichtigung der Bus-Servicewerkstatt mit Motor- und Getriebebau, Lackiererei sowie Prüfhalle und der Bus-Betriebswerkstatt mit u. a. Reifendruckmessstand konnten die Teilnehmer aus dem KOM-Bereich auch selbst einen modernen Solaris Hybridbus über das Betriebsgelände fahren.
Beim Rundgang über das Betriebsgelände konnten die Teilnehmer aus dem Infrastruktur-Bereich neben einem Gleichrichterunterwerk, dem Gleislager- und Gleisvorbereitungsplatz, auch die unterschiedlichen Sonderfahrzeuge der BSAG wie Messwagen, Schienenschleif- und Turmwagen und abschließend eine in der nähe befindliche aktuelle Gleisbaustelle besichtigen.
Besuch des Straßenbahnmuseums
Besonderes Interesse weckte bei den Meisterkollegen der Besuch des Straßenbahnmuseums „Das Depot“ welches die „Freunde der Bremer Straßenbahn e.V.“ auf dem Betriebshof Sebaldsbrück eingerichtet haben. Mit dem Ziel die Geschichte der Bremer Straßenbahn der Öffentlichkeit näher zu bringen, wird hier nicht nur eine statische Ausstellung angeboten. Viele Dinge können auch in die Hand genommen und ausprobiert werden. Der Höhepunkt aber war die Fahrzeugausstellung, in der historische Straßenbahnwagen in vollem Glanz zu sehen waren und von den Teilnehmern bestaunt werden konnten. Mit einigen dieser Bremer Museumswagen wird sogar ein historischer Linienverkehr angeboten.
Im Anschluss an eine rege Abschlussdiskussion beendete Werner Strauch die Gesamttagung, allerdings nicht ohne sich bei allen Mitarbeitern der Bremer Straßenbahn AG für die tatkräftige Mithilfe bei der Vorbereitung und Durchführung dieser interessanten und kurzweiligen Tagung zu bedanken. Bei den Meisterkollegen bedankte er sich für die Teilnahme und wünschte allen eine unfallfrei Heimreise.
Uwe Pacynski, Rheinberg
